Das Thema Infektionsschutz ist aktuell relevanter denn je: Welche Maßnahmen sind in den verschiedenen Einrichtungen coronabedingt besonders wichtig? Was verändert sich konkret in der praktischen Arbeit? Und welche Herausforderungen bringt all dies mit sich? Darüber tauschten sich die Teilnehmenden im November im siebten Praxisdialog aus.

Pflege- und Führungskräfte stehen in der zweiten Welle erneut vor vielen Herausforderungen. Ein angemessener Infektionsschutz für Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie Besucherinnen und Besucher ist eine davon. Beim digitalen Praxisdialog tauschten sich Pflege- und Führungskräfte stationärer und ambulanter Pflegeeinrichtungen unter anderem zu Themen wie Schnelltests, Besuchsregelungen und Grippeimpfungen aus. Der Austausch zeigte, wie wichtig das Verhalten von Führungskräften für den Schutz ihrer Mitarbeitenden ist.

Testen – aber wie?

Die nationale Teststrategie zu Corona-Schnelltests wird in der Theorie von den Teilnehmenden des Praxisdialogs als sinnvoll erachtet, birgt in der Praxis jedoch einige Herausforderungen. Besonders deutlich wurde in der Diskussion, dass die notwendigen Voraussetzungen wie Personal, Zeit und Material, (angesprochen wurden insbesondere Schutzhandschuhe) nicht immer leicht zu organisieren sind.

Zwar seien zentrale Vorgaben in der Pandemie sehr wichtig – darüber waren sich alle Teilnehmenden einig. Gleichzeitig habe jedes Haus aber seine eigene spezielle Infrastruktur, sodass Testkonzepte entsprechend angepasst werden müssen. Denn es wird deutlich: Die Häuser verfolgen unterschiedliche Test-Strategien. Eine Krankenschwester aus der Langzeitpflege berichtet vom Prinzip des „risikoadaptierten Testen“, nach dem bestimmte Gruppen zu bestimmten Anlässen getestet werden. Das Testen der Mitarbeitenden hält sie dabei für leistbar und wichtig. Im Hinblick auf Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung sei sie beim Testen teilweise mit „herausforderndem Verhalten“ konfrontiert, wobei kein Test mit Zwang erfolgen wird. Die Testung von Besucherinnen und Besuchern hält sie für zweitrangig, da die zentrale Aufgabe und Priorität der Pflege sei, pflegebedürftige Menschen zu versorgen. Anderes berichtet der Pflegedirektor in einer neurologischen Rehaklinik: Weil Besucherinnen und Besucher wichtig sind für die psychische Gesundheit der Patientinnen und Patienten, werden sie dort ebenso wie Mitarbeitende getestet, wenn sie sich symptomatisch fühlen. Zusätzlich dazu werden Besucherinnen und Besucher mit FFP2-Masken und Visier ausgestattet.

Hinweis

Die nationale Teststrategie der Bundesregierung empfiehlt bei symptomatischen Personen PCR-Tests. Nur für die Fälle, bei denen ein schnelles Resultat notwendig ist, werden auch Antigen-Schnelltests empfohlen.

Der Pflegedienstleiter einer Sozialstation erzählt vom bisherigen Vorgehen, alle sechs Wochen zehn Prozent der Mitarbeitenden – unabhängig von Funktion oder Position – nach Zufallsprinzip zu testen. Außerdem werden Mitarbeitende getestet, die sich im Urlaub außerhalb der Stadt oder des Bundeslandes aufgehalten haben. In diesem Zusammenhang stellt er sich die Frage der Refinanzierung der Arbeitszeit, die durch das Testen verloren geht.

Ein Teilnehmer aus dem ambulanten Bereich sagt, dass ein Durchtesten aller ambulanten Patientinnen und Patienten aufgrund der großen Menge oft nicht möglich sei. Viele Behandlungen aber würden weniger als 15 Minuten dauern und die behandelnden Personen tragen FFP2-Masken. Das Ansteckungsrisiko sei hier also vergleichsweise gering.

Aufnahme, Versorgung und FFP2-Masken

Bei der stationären Aufnahme von Patientinnen und Patienten ist ein negativer PCR-Test erforderlich. Bis das Ergebnis kommt, muss der Patient oder die Patientin in Zimmerquarantäne in der Einrichtung. Es folgt später ein weiterer Test in der Einrichtung selbst. Dieses Vorgehen hat zur Folge, dass beispielsweise eine mobile, dementiell erkrankte Person nicht aufgenommen werden kann, da sie nicht versteht, warum eine Quarantäne erforderlich ist. Ideal wäre daher ein Schnelltest bei der Aufnahme – das sei allerdings aufgrund der fehlenden Bestände aktuell nicht möglich.

Die Versorgung der Patientinnen und Patienten im stationären Bereich erfolge nur bei körpernahen Tätigkeiten mit FFP2-Masken. Diese sollen nur bis maximal 75 Minuten getragen werden, ehe man eine dreißigminütige Pause ohne Maske einlegt. Dies sei teilweise in der Praxis schwer umsetzbar. Im ambulanten Bereich hingegen werde die Maske selten längere Zeit am Stück getragen, da es zwischendurch Pausen gibt.

Aus der neurologischen Rehaklinik erzählt der Pflegedirektor von zusätzlichen Herausforderungen: Die Klinik richtete einen besonders geschützten Bereich für Patientinnen und Patienten ein, denen das Tragen eines Mund- Nasen-Schutzes nicht möglich ist. Hier gibt es aktuell 13 Plätze für Personen, die zuvor negativ auf COVID-19 getestet wurden. Das Pflegepersonal ist mit FFP2-Masken und Visier ausgestattet. Der Pflegedirektor erachtet die Einschätzungen zum Abstand sowie dem Grad der Aerosolbildung als eine zusätzliche Herausforderung im Pflegealltag. Daher wurde in der Klinik Richtlinien festgelegt, bei der Grundpflege und bei Behandlungen, die aerosolbehaftet sind oder länger als 15 Minuten dauern, verpflichtend FFP2-Masken zu tragen. Dies funktioniere gut, da aktuell der Nachschub an Masken gesichert sei. Er berichtet außerdem, dass Covid-positive Patientinnen und Patienten recht schnell in andere Kliniken verlegt werden, da der Fokus seiner Klinik ein anderer sei.

So wenig Kontakte wie möglich

In mehreren Einrichtungen wurden die Schichten so angepasst, dass so wenig Mitarbeitende wie möglich aufeinandertreffen. Darüber hinaus wird Homeoffice angeboten, wo es geht. Hier werden fehlende technische Voraussetzungen zur Herausforderung: Auf der Sozialstation werde zum Beispiel noch auf Papier abgerechnet, erzählt der Pflegedienstleiter – schwierig machbar im Homeoffice.

Wo sind die Impfdosen?

Beim Thema Grippeimpfungen gehen die Erfahrungen auseinander: In der neurologischen Reha-Einrichtung wurden bisher insgesamt 150 Mitarbeitende geimpft, weitere Impfdosen stünden noch zur Verfügung. Etwa 50 Mitarbeitende der Sozialstation hingegen, die Anfang Oktober Interesse an einer Impfung bekundet hatten, sind bis heute nicht geimpft, weil Impfdosen nicht zu bekommen waren. Das Interesse an Impfungen gegen Grippe sei in jedem Fall deutlich gestiegen – es wurde daher die Gefahr gesehen, dass der Bedarf viel größer als die tatsächlich zur Verfügung stehende Impfstoffmenge sei . Hier blieb für die Teilnehmenden die Frage offen, wo nachbestellte Impfdosen hingehen und nach welchen Kriterien sie an wen geliefert werden.

Wir brauchen ein Wir-Gefühl

Einig sind sich alle Teilnehmenden, dass die enge Begleitung durch Führungskräfte in diesen Zeiten extrem wichtig ist. Die Ängste und Unsicherheiten aufseiten der Mitarbeitenden seien teilweise groß. Es sei zentral, ihnen den Rücken zu stärken, damit ein Wir-Gefühl entstehen kann. Damit einher geht der Wunsch an die Politik, vor großen Entscheidungen Rücksprache mit den Menschen zu halten, die täglich in der Pflegepraxis tätig sind.

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