Illustrative Darstellung von Personen in einer digitalen Konferenz.

Was hat uns ein Jahr Pandemie in der Pflege gelehrt? Johanna Gernentz vom Gerontopsychiatrisch-Geriatrischen Verbund Charlottenburg-Wilmersdorf e.V. teilt im Praxisdialog am 14. April ihre Erkenntnisse – und verriet vorab die für sie zentralen Punkte.

Hinweis: Die hier veröffentlichten Antworten geben die Sichtweise der jeweiligen Absender wieder und nicht die fachliche oder juristische Position des Bundesministeriums für Gesundheit.

Johanna Gernentz: Dass wir mehr Digitalisierung und eine bessere Bezahlung brauchen, ist für mich selbstverständlich. Besonders am Herzen aber liegen mir drei Aspekte, die oft übersehen werden, wenn wir darüber sprechen, was wir aus der Corona-Pandemie mitnehmen können und sollten:
 

  • Die seelische Gesundheit ist ein elementarer Bestandteil der Gesundheitsförderung – und zwar auf allen Ebenen (für Pflegekräfte, Menschen mit Pflegebedarf und Angehörige). Für beruflich Pflegende brauchen wir dazu Möglichkeiten zur Reflexion ihrer Arbeit.  Sie müssen so selbstverständlich sein wie organisatorische Dienstbesprechungen. Pflegekräfte müssen Raum haben, um offen darüber sprechen zu können: Was belastet uns? Was stärkt uns?

  • Wir brauchen kompetenzorientierte Teamentwicklungsprozesse – gerade in den stationären Einrichtungen. Hier sind Pflege und Betreuung oft sehr arbeitsteilig organisiert. Für eine ganzheitliche, personenzentrierte Pflege aber brauchen wir ein Miteinander statt Nebeneinander der unterschiedlich qualifizierten Beteiligten. Wir haben noch viel Spielraum, um Pflege für alle Beteiligten entspannter und freudvoller zu gestalten.

  • Pflege muss noch selbstbewusster nach außen treten und starke, kraftvolle Geschichten erzählen. Die Corona-Pandemie hat ein Schlaglicht auf uns geworfen. Der Pflegeberuf erfährt eine öffentliche Wahrnehmung wie selten zuvor. Wir sollten das nutzen. Um Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. Und wir sollten dabei auch die Freude an unserer Arbeit sichtbarer machen, ohne die besonderen Belastungen zu verschweigen.