Illustrative Darstellung einer Spritze und eines Hauses.

Was bedeutet der aktuelle Stand der Impfungen für Pflegeeinrichtungen? Und welche Perspektiven gibt es für die Zukunft? Darüber sprachen Vertreterinnen und Vertreter des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Pflege-Verbände.

Die Corona-Schutzimpfungen in Pflegeeinrichtungen schreiten weiter voran. Deshalb lud das Bundesgesundheitsministerium für den 24. März 2021 Vertreterinnen und Vertreter der Pflege-Verbände und des Robert Koch-Instituts zum Austausch ein. Was der aktuelle Stand der Impfungen für Einrichtungen bedeutet und wie ein Blick in die Zukunft aussehen kann, darüber tauschten sich die Anwesenden aus. Lesen Sie hier die wichtigsten Ergebnisse.

Wie ist der aktuelle Stand der Schutzimpfungen in Pflegeeinrichtungen und wie wirkt sich dieser auf das Infektionsgeschehen aus?

Der Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen ist geimpft. Fast 80 % dieser Personengruppe haben bereits ihre Zweitimpfung erhalten. Die Wirkung der hohen Durchimpfungsrate bei den Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen ist bereits spürbar: Die Anzahl der Neuinfektionen der über 80-Jährigen in der Gesamtbevölkerung bleibt auf gleichem Niveau, während sie bei anderen Altersgruppen aufgrund des derzeitigen intensiven Infektionsgeschehens stark ansteigt. Während Ende Dezember letzten Jahres noch über 370 Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen in einer Woche verzeichnet wurden, fiel der Wert in der letzten Februarwoche 2021 auf etwa 50 Ausbrüche.

Kann es in Einrichtungen, deren Bewohnerinnen und Bewohner geimpft sind, nicht mehr zu Ausbrüchen kommen?

Impfungen bieten Geimpften einen hohen Schutz vor einer Erkrankung bzw. einem schweren Krankheitsverlauf. Aber nicht alle Geimpften entwickeln einen ausreichenden Immunschutz. Auch bei hoher Durchimpfungsrate in einer Einrichtung ist daher zu beobachten, dass es weiterhin zu Erkrankungsfällen kommt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Erkrankungen bei Geimpften eher mild verlaufen und insgesamt auch weniger Fälle auftreten.

Zu berücksichtigen ist hierbei, dass auch in Einrichtungen mit hoher Durchimpfungsrate immer noch nicht geimpfte Personen sein werden. Erstens können manche Menschen aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden. Zweitens gibt es Personen, die sich aus verschiedensten Gründen nicht impfen lassen möchten; es gibt auch keine Impfpflicht. Drittens kann die Fluktuation der zu pflegenden Personen in den Einrichtungen dazu führen, dass es immer auch Bewohnerinnen und Bewohner gibt, die noch keine Impfung erhalten haben. Das heißt auch, dass Schutzmaßnahmen aufrechterhalten werden müssen.

Setzt der Schutz erst nach der zweiten Impfdosis ein?

Innerhalb von zwei Wochen nach der ersten Impfung beginnt der Aufbau eines gewissen Immunschutzes. Die volle Schutzwirkung ist jedoch erst vierzehn Tage nach der Zweitimpfung erreicht.

Kommt es in einer stationären Pflegeeinrichtung zu einem Corona-Ausbruch sollten unverzüglich Personen geimpft werden, die bisher noch nicht geimpft wurden. Personen mit hohem Fieber bzw. Symptomen, die mit einer COVID-19-Erkrankung vereinbar sind, sollten jedoch nicht geimpft werden.

Kann man sich nach der Impfung noch infizieren und andere Personen anstecken?

Auch geimpfte Personen können sich infizieren und das Virus weitergeben. Erste Studienergebnisse zeigen, dass Geimpfte aufgrund einer geringeren Viruslast weniger infektiös sind als nicht Geimpfte. Auch die Erkrankung verläuft bei geimpften Personen eher mild oder es kommt zu einer Infektion ohne die Ausbildung von Krankheitssymptomen.

Welche Perspektive gibt es, um die strengen Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen zu erleichtern? Welche Anpassungen können vorgenommen werden, nachdem die Bewohnerinnen und Bewohner einer Einrichtung geimpft wurden?

Derzeit wird intensiv geprüft, ob es für geimpfte Personen bzw. in Einrichtungen, in denen ein Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner sowie des Personals geimpft ist, Lockerungen hinsichtlich der gängigen Schutzvorkehrungen geben kann. Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Frage nach Lockerungen für Bewohnerinnen und Bewohner sowie für das Pflegepersonal sehr dringlich ist und einer kontinuierlichen Neubewertung bedarf. Ein möglicher Lockerungsprozess erfordert stetiges Monitoring, ständigen Austausch und eine regelmäßige Überprüfung und ggf. Anpassung von Empfehlungen. Bei hoher Durchimpfungsrate der Bewohner und möglichst auch des Personals können stufenweise Anpassungen der Empfehlungen zum Infektionsschutz erwogen werden. Das RKI wird in Kürze das entsprechende Dokument aktualisieren. Dabei sind die epidemiologische Situation, die Limitationen der Impfungen und die zunehmende Durchimpfung der Bevölkerung zu berücksichtigen. Die schrittweise Umsetzung von Erleichterungen sollte jedoch in die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen und bekannten Infektionsschutzmaßnahmen eingebettet werden.