Austauschen

Jetzt mitreden – und zu Dienstplänen austauschen!

Dienstpläne flexibel und fair gestalten – das wird in Zeiten von Corona wichtiger denn je. Viele gute Ideen und Ansätze gibt es schon. Lesen Sie hier, was sich in der Praxis Ihrer Kolleginnen und Kollegen bewährt hat, stellen Sie ihnen Ihre Fragen und treten Sie miteinander in den Austausch.

»Marina, wie schafft man mit guten Dienstplänen mehr Pflege-Kraft?«

„Indem man Mitarbeitende in Stand-by-Dienste einplant!“

Sie haben gefragt – Marina hat geantwortet.

Hinweis: Die hier veröffentlichten Antworten geben die Sichtweise der jeweiligen Absender wieder und nicht die fachliche oder juristische Position des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

Wie ist die Akzeptanz von den Mitarbeitenden?

Marina: »Es gab zu Beginn auch Bedenken von Mitarbeitenden und wir brauchten eine gewisse Zeit der Erprobung. Die Einführung des Stand-by-Dienstes wurde in den Teambesprechungen lange diskutiert und gemeinsam mit den Mitarbeitenden erarbeitet, dadurch wurden die anfänglichen Bedenken weitgehend ausgeräumt. Jetzt trifft der Stand-by-Dienst auf sehr viel Zustimmung.« 

 

Wurde eine zusätzliche Kraft beschäftigt?

Marina: »Nein, das war nicht nötig. Wir konnten dies aus eigenen Reihen bewältigen.«

 

Wie oft werden Mitarbeitende für Stand-By-Dienste eingeplant?

Marina: »Jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter leistet einen Stand-By-Dienst pro Monat, auf Wunsch gerne mehr. Dabei werden auch Wünsche berücksichtigt: Es ist zum Beispiel möglich, anzugeben, dass man nur früh oder spät, oder nur an bestimmten Wochentagen eingeteilt werden kann. Wie gesagt, es ging darum, dass die Mitarbeitenden weniger oft ungeplant einspringen müssen und ›frei nach Möglichkeit frei bleibt‹.« 

 

Wie weit im Voraus werden die Dienstpläne und die Stand-by-Dienste geplant? 

Marina: »Die Stand-by-Dienste sind genau wie der reguläre Dienstplan am 15. des Vormonats für alle Mitarbeitenden einsehbar.«

 

 

 

 

Wie hoch ist die Pauschale?

Marina: »Die Höhe der Pauschale beträgt 35,- brutto. Wird ein Dienst abgerufen, so erhält die Person die 35,- Euro zzgl. aller entstehenden Zuschläge für diesen Tag.«

 

Sind die Dienste und ihre Vergütung mit der Gewerkschaft abgestimmt, oder ist es eine innerbetriebliche Pauschale? 

Marina: »Dies ist eine innerbetriebliche Pauschale.« 

 

Wie finanzieren sich die Rufbereitschaften?

Marina: »Es sind natürlich erst mal Mehrkosten für den Arbeitgeber, aber das Ziel war eine höhere Zufriedenheit unter den Mitarbeitenden und deshalb war er bereit, diese zu tragen. Dadurch, dass die Krankheitstage zurückgegangen sind, konnten letztlich sogar Kosten eingespart werden.« 

 

Gibt es auch Stand-by-Dienste im Bereich Anästhesie / OP?

Marina: »Als Rehaklinik haben wir in unserem Haus keinen Anästhesie- bzw. OP-Bereich.« 

 

Gibt es jeden Tag Stand-by-Dienste oder nur an bestimmten Tagen? Gibt es z.B. Unterschiede zwischen Werktagen und Wochenenden?

Marina: »Da gibt es keine Unterschiede, es gibt jeden Tag Stand-by-Dienste.« 

 

Ist eine Person im Stand-by-Dienst pro Tag ausreichend?

Marina: »Bei uns sind 150 Mitarbeitende in der Pflege beschäftigt. In den allermeisten Fällen ist eine Person in Rufbereitschaft ausreichend, ich würde sagen zu 90 Prozent. Das liegt auch daran, dass seit der Einführung der Stand-by-Dienste die Krankheitstage zurückgegangen sind.« 

Lesen Sie hier noch einmal, was Marina zu flexibler Dienstplanung sagt.

Marina: »Unsere Einrichtung verankerte vor einigen Monaten einen sogenannten Stand-by-Dienst fest im Dienstplan. Fällt nun eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter aus, können wir die jeweils im Stand-by-Dienst geplante Person – ähnlich wie beim Rufdienst – kontaktieren und sicher sein, dass sie die ausgefallene Schicht übernimmt. Das hat zwei Vorteile: Pflegekräfte im Dienst müssen nicht mehr fürchten, durch Ausfälle unterbesetzt zu sein und dadurch unter besonders hoher Belastung arbeiten zu müssen. Und die Kolleginnen und Kollegen, die sich freigenommen haben, profitieren ebenfalls: Sie können ihre Freizeit auch als solche nutzen und guten Gewissens abschalten.

Die für den Stand-by-Dienst geplanten Pflegekräfte müssen am geplanten Stand-by-Dienst-Tag zwischen 5 und 6 Uhr sowie zwischen 11 und 12 Uhr telefonisch erreichbar sein. Ausschließlich während dieser Zeiten können sie angerufen und über Ausfälle und einen Ersatzdienst informiert werden. Ruft sie in dieser Zeit niemand an, können sie ihre Zeit ab mittags frei verplanen. Für ihre Bereitschaft erhalten sie eine Pauschale – unabhängig davon, ob sie angerufen und eingesetzt wurden oder nicht. Springen sie für Ausfälle ein, werden die geleisteten Arbeitsstunden dem Stundenkonto vollumfänglich gutgeschrieben. Die Pauschale wird zusätzlich gezahlt.

Seit wir diese Dienstart eingeführt haben, gehen die Krankheitstage zurück. Und nicht immer mussten die im Stand-by-Dienst geplanten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch wirklich einspringen. Diese Zahlen zeigen, dass die Maßnahme die Pflegekräfte in unserer Einrichtung erheblich entlastet.«

»Julian, welche Idee haben Sie für gutes Dienstplanmanagement?«

„Bei uns bewährt sich das Bonussystem für Joker-Dienste“

Sie fragen – Julian antwortet.

Hinweis: Die hier veröffentlichten Antworten geben die Sichtweise der jeweiligen Absender wieder und nicht die fachliche oder juristische Position des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

Sind die Bonus-Punkte-Regelungen verpflichtend und ist dies aus der Not fehlender Fachkräfte heraus entwickelt worden?

Julian: »Die Joker-Dienste sind für alle Kollegen in der Pflege zumindest zweimal monatlich verpflichtend. Eingeführt wurden die Karten vor allem, um den Pflegekräften wertschätzend etwas zurück zu geben und teamförderndes Verhalten zu belohnen. Jeder, der in der Pflege arbeitet, hat auch schon mal einen Dienst für einen erkrankten Kollegen übernommen. Wir wollen den Pflegekräften dann noch mehr als ein „Danke“ für das Einspringen zurückgeben! Der Bonus kommt als steuerfreier Sachbezug auch zu 100% bei den Mitarbeitern an! Glücklicherweise sind wir sehr gut aufgestellt im Personal und spüren den Pflegenotstand nicht so stark, aber die Bonuskarte ist definitiv eine Motivation, sich bei uns zu bewerben!« 

Sie schreiben, dass Sie mehr Nachtdienste durch Corona haben: Wie viel Mehraufwand (Überstunden) entsteht bei Ihnen und wie nehmen die Kollegen das an? Wie organisieren Sie den Dienstplan, z.B. bei Quarantäne?

Julian: »Wir haben vier Wohnbereiche in unserem Haus, die normalerweise dem Personalschlüssel entsprechend betreut werden. Um die Infektionsgefahr durch zu häufige Wohnbereichswechsel gering zu halten, haben wir kurzzeitig für jeden Wohnbereich eine eigenständige Nachtwache eingesetzt. Glücklicherweise haben wir in unserem Leistungsspektrum auch Tagespflegen. Durch die behördliche Schließung konnten wir die Mitarbeiter entsprechend im stationären Bereich in der Betreuung und Pflege einsetzen, wodurch kaum zusätzliche Überstunden anfielen. Die Kollegen aus dem stationären Bereich freuen sich über die Unterstützung, die Mitarbeiter der Tagespflegen sind froh helfen zu können.« 

Haben Sie das Bonussystem selbst entwickelt, oder haben Sie dafür externe Beratung in Anspruch genommen, durch wen? 

Julian: »Das Bonussystem haben wir selbst entwickelt. Unsere Qualitätsmanagementbeauftragte hat gemeinsam mit den Leitungskräften das Grundgerüst für die Boni erstellt und in Absprache die verschiedenen Leistungspunkte festgelegt. Lediglich die Prepaid-Kreditkarten werden von einer externen Firma geliefert.« 

Wann legen Sie die Dienstpläne fest? Wie finanzieren Sie die Bonuszahlungen?

Julian: »Die Dienstpläne werden von der Pflegedienstleitung zur Mitte des Monats für den Folgemonat festgelegt. Die geteilten Tagdienste (Früh- und Spätschicht) folgen dabei einem Muster, jedoch versuchen die Dienstplaner, möglichst oft allen Wünschen zu Urlaub oder freien Wochenenden gerecht zu werden. Die Bonuspunkte werden über Eigenmittel finanziert.«

Gab es zur Einführung des Bonussystems auch Vorbehalte? Wie sind Sie damit umgegangen? 

Julian: »Ja. Es kamen z.B. folgende Anmerkungen:

  • Ich habe ein kleines Kind und kann daher gar nicht viel einspringen und mir so Punkte verdienen. Das finde ich unfair.
  • Kollegen in Teilzeit (z.B. 20 Wochenstunden) können sich mehr Punkte verdienen als Kollegen in Vollzeit, da sie mehr Möglichkeiten haben, einzuspringen.

Wir haben insgesamt versucht, das Bonussystem so aufzubauen, dass ganz verschiedene Leistungen mit Punkten belohnt werden können. Das Bonussystem sollte breit aufgestellt sein, so dass jeder Mitarbeiter die Chance hat, sich Punkte dazuverdienen zu können.«

Wenn ich Sie recht verstehe, gibt es einen Punkt (also 3 Euro) für einen solchen Bereitschaftsdienst, ein wenig mehr, wenn man auch „rausgerufen” wird. Warum wird der Bereitschaftsdienst nicht fair bezahlt? 

Julian: »Wir setzen uns für eine faire Bezahlung von Pflegekräften ein. Deswegen haben wir im letzten Jahr für alle Mitarbeiter einen Tarifvertrag eingeführt, angelehnt an den am höchsten bezahlten Caritas AVR. Der Bereitschaftsdienst wird über den Tarifvertrag bezahlt, die für die Bereitschaft oder das Einspringen im Krankheitsfall gewährten Bonuspunkte kommen noch dazu, sind also ein zusätzliches Dankeschön der Geschäftsleitung für die tolle Arbeit und das teamorientierte handeln.«

Lesen Sie hier noch einmal, was Julian zu Belohnungen für besonderes Engagement sagt.

Julian, bei Ihnen wurde ein Bonussystem, unter anderem für Rufbereitschaften eingeführt. Wie funktioniert dieses System?

Julian: »Das Bonussystem basiert auf einer Prepaid-Kreditkarte, die durch ein Punktesystem aufgeladen werden kann. Für bestimmte Leistungen gibt es unterschiedlich viele Punkte – zum Beispiel einen Punkt für einen sogenannten Joker-Dienst, bei dem man sich bereithält, einzuspringen, falls ein anderer Kollege ausfällt. Dabei muss man sich an diesem Tag bis mittags zur Verfügung halten. Wenn man dann wirklich einspringt, werden zusätzliche Punkte gebucht. Genauso gibt es auch Bonuspunkte für den Dienst am Wochenende oder an Feiertagen. Pro Punkt zahlt der Arbeitgeber drei Euro als steuerfreien Sachbezug auf die Prepaid-Karte, die wie eine normale Kreditkarte genutzt werden kann. Für die Pflegekräfte sind zwei monatliche Joker-Dienste verpflichtend. Sie werden im Dienstplan eingetragen. Wenn die Wochenarbeitszeit es zulässt und die gesetzlichen Pausen eingehalten werden, kann man sich freiwillig zusätzliche Bereitschaftsdienste eintragen lassen. Die gesammelten Punkte werden dann im Folgemonat auf der Karte gutgeschrieben.

Im ambulanten Dienst wird die Prepaid-Karte genauso eingesetzt wie in der stationären Pflege. In den Leistungen wird da kein Unterschied gemacht. Man kann sich hier lediglich zusätzliche Punkte verdienen, wenn man sich freiwillig bereit erklärt, die Autos zu reinigen.

Ganz besonders schön ist auch, dass wirklich alle Mitarbeiter eine dieser Bonuskarten erhalten haben, also auch die Kollegen aus Verwaltung oder der Haustechnik. Darauf werden dann zum Beispiel Punkte zum Geburtstag gutgeschrieben, und das natürlich bei allen Mitarbeitenden!«

 

Wie lange besteht das Bonussystem in Ihrer Einrichtung schon und wie hat es sich auf die Mitarbeitenden ausgewirkt?

Julian: »Die Prepaid-Kreditkarte wurde im Frühjahr 2019 von der Geschäftsführung eingeführt und von der deutlichen Mehrheit mit viel Freude und Interesse begrüßt. Nach der Einführung war ein deutlicher Anstieg in der Motivation der Mitarbeiter zu erkennen, wie auch ein klares Absinken der Fehlzeiten. Neben anderen Projekten, die zur Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit eingeführt wurden, rechnen wir diesen Erfolg auch dem Bonussystem an.« 

 

Angesichts der aktuellen Corona-Pandemie – haben Sie das Bonussystem an die neue Situation anpassen müssen?

Julian: »Das Punktesystem wird auch in diesen schwierigen Zeiten weiter fortgeführt und genutzt. Die Kollegen aus der Pflege werden noch immer in die Bereitschaftsdienste eingetragen und halten sich auch darüber hinaus verfügbar. Die Pflegedirektion hat noch weitere, zusätzliche Bonuspunkte eingeführt für Kollegen, die sich besonders verdient gemacht haben: Normalerweise haben wir getrennte Tag- und Nachtdienste und die dem Personalschlüssel entsprechende Zahl an Nachtwachen im Pflegeheim. Um die Infektionsgefahr zu senken, sind jetzt mehr Nachtwachen im Dienst, welche kleinere Bereiche abdecken. Eine Kollegin, die normalerweise im Tagdienst eingesetzt wird, hat sich freiwillig gemeldet und übernimmt diverse Nachtdienste. Mit ihrem vorbildlichen Einsatz hat sie sich einige Extra-Punkte verdient!«

Was liegt Ihnen außer fairer Dienstplanung noch am Herzen?

Jetzt mitmachen und austauschen – im Pflegenetzwerk Deutschland!