Illustration: Drei Personen im Vordergrund, dahinter Ausweisdokumente

Der Personalmangel stellt Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor große Herausforderungen. Die Anwerbung von internationalen Fachkräften kann ihnen dabei helfen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Damit diese sich gut im neuen Arbeitsalltag zurechtfinden, sind verschiedene Schritte nötig.

Direkt nach der Anwerbung aktiv werden

Von der Anwerbung aus dem Ausland bis zur gut ins Team eingebundenen Pflegekraft ist es ein langer Weg. Damit er gelingt, kommt es vor allem auf eine gute Vorbereitung und Unterstützung durch die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber, das Führungspersonal und das Team an. Folgende Vorbereitungen müssen Pflegeeinrichtungen nach der Anwerbung internationaler Fachkräfte im Blick haben:

  • Formalitäten erledigen: Arbeitsvertrag, Anerkennungsverfahren, Nachweis von Sprachkenntnissen, Zustimmung der Agentur für Arbeit – wenn Pflegeeinrichtungen eine Fachkraft aus dem Ausland für sich gewinnen konnten, stehen eine ganze Reihe Formalitäten für die Einreise und die Arbeitsaufnahme an. Diese hängen gegebenenfalls auch vom Herkunftsland der angeworbenen Pflegekraft ab. Staatsangehörige aus Drittstaaten benötigen zum Beispiel ein Visum, das sie dazu berechtigt, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Informieren Sie sich also nicht nur über die notwendigen Verwaltungsverfahren in Deutschland, sondern auch über die für die Ausreise zu erfüllenden Formalitäten im Herkunftsland der Fachkraft.
  • Kontakt halten: Pflegeeinrichtungen sollten während des gesamten Vorbereitungsprozesses mit den neu angeworbenen internationalen Pflegekräften im Austausch stehen. So lassen sich alle Schritte gemeinsam planen und ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Das gelingt am besten, wenn es eine feste Ansprechperson im Betrieb gibt, die den Kontakt stetig pflegt.

Im Video geht Dr. Sarina Strumpen auf die Frage ein, welche Schritte und Herausforderungen Pflegeeinrichtungen nach der Anwerbung internationaler Pflegekräfte außerdem berücksichtigen sollten. Strumpen ist Projektleiterin beim Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA).

Einbinden mit Plan

Anerkennungsverfahren, Spracherwerb und Onboarding: Das sind nur drei der Bereiche, mit denen sich ein Unternehmen auseinandersetzen sollte, bevor die internationalen Fachkräfte ankommen. Schon vor der Einreise sollte geklärt sein, wo Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten liegen und wie sich die Einrichtung aufstellen muss, um die neuen Kolleginnen und Kollegen willkommen zu heißen. Sobald die Fachkräfte eingereist sind, gibt es viele weitere Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um eine nachhaltige Integration ins Team und ins Unternehmen gewährleisten zu können. Um das gut zu gestalten, sind Ressourcen notwendig. Deswegen hat sich in vielen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bewährt, ein Integrationsmanagementkonzept zu verschriftlichen. In einem Praxisdialog haben Netzwerkmitglieder zusammen mit Miriam Pleuger vom Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF) und Linda Krall von den Zieglerschen besprochen, was dabei wichtig ist:

  • Gut vorbereiten: Bereits im Vorfeld der Anwerbung sollte geklärt sein, wie der Einbindungsprozess strukturell im Unternehmen verankert werden kann: Wer muss daran beteiligt werden? Und welche Instrumente sollen zum Einsatz kommen?
  • Klare Zuständigkeiten definieren: Für die Einbindung von Fachkräften aus dem Ausland empfiehlt es sich, bestimmte Personen klar mit dieser Aufgabe zu betrauen, sie entsprechend zu schulen und ihnen sowohl zeitlichen als auch finanziellen Handlungsspielraum einzuräumen. So wissen die neuen, internationalen Teammitglieder auch, an wen sie sich bei Fragen wenden können.
  • Konzept schreiben: Die Maßnahmen zur Einbindung internationaler Fachkräfte festzuhalten, schafft Transparenz für alle Beteiligten: Die neuen Kolleginnen und Kollegen wissen, welche Angebote sie wahrnehmen können. Und die Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen können anhand des Konzepts immer wieder prüfen, wie die verschiedenen Maßnahmen ineinandergreifen, wie die Zuständigkeiten verteilt sind und an welchen Stellen gegebenenfalls externe Unterstützung gefragt ist oder Optimierungsbedarf besteht.

Weitere Informationen zum Thema Integrationsmanagement sowie Best Practice-Beispiele und erprobte Instrumente finden Sie im Werkzeugkoffer „Willkommenskultur & Integration“ des Deutschen Kompetenzzentrums für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF).

Unterstützung beim Anerkennungsprozess

Die fachliche Berufsanerkennung und die Erlaubnis zur Berufsausübung sind grundlegend, damit eine internationale Fachkraft überhaupt in Deutschland arbeiten darf. Dass die Gesundheits- oder Pflegeeinrichtung die neuen Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützt, ist im Interesse beider Seiten und schafft eine Willkommenskultur. Dabei kommt es auf folgende Aspekte an:

  • Gut beraten: Die zuständige Behörde des Bundeslandes stellt fest, ob und welche Anpassungsqualifizierung für die Berufsanerkennung in Deutschland erforderlich ist, um Inhalte nachzuholen oder nachzuweisen, die nicht Teil ihrer Ausbildung waren. Diese Qualifizierung kann entweder durch einen betriebsintegrierten Anpassungslehrgang oder einen schulischen Vorbereitungskurs mit anschließender Kenntnisprüfung erfolgen. Arbeitgeber sollten die Pflegefachkraft gut beraten, welche Möglichkeit zur Verfügung steht. Zudem sollte die Pflegeeinrichtung oder der Pflegedienst der angeworbenen Pflegekraft im gesamten Prozess beratend zur Seite stehen.  
  • Beim Spracherwerb unterstützen: Um die Erlaubnis zur Berufsausübung zu erhalten, müssen internationale Fachkräfte deutsche Sprachkenntnisse auf B2-Niveau nachweisen. Sprachbarrieren zu überwinden ist aber auch wichtig, um im Berufsalltag bestehen zu können. Nicht nur deswegen sollten Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen den Spracherwerb fördern.
  • INGA-Pflege: Das Kuratorium Deutsche Altershilfe unterstützt Pflegeeinrichtungen bei der Organisation betriebsintegrierter Anpassungslehrgänge, die mit einem Anschlussgespräch zur Berufsanerkennung führen. Der Lehrgang wird betriebsintegriert und im Teamteaching mit Sprachtrainern durchgeführt. Damit erhalten die Pflegekräfte zugleich eine gute Einweisung in die deutsche Pflegepraxis und eine gute Unterstützung bei der Einübung sprachlicher Kommunikationsfähigkeit. 

Im Video spricht Julia Schmidt vom Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF) über Gestaltungsmöglichkeiten im Anerkennungsprozess:

An Bord holen

Bei dem Vorhaben, die internationalen Fachkräfte gut einzubinden, geht es aber nicht nur um rechtliche Voraussetzungen. Es ist auch wichtig, sie gut ins Team und die Arbeitsabläufe einzuführen. Dr. Sarina Strumpen weiß, was dabei zu beachten ist:

  • Inhalte definieren: Was sollten neue Mitarbeitende zum Betriebsablauf und zu ihrem neuen Arbeitsplatz wissen? Welche weiteren Informationen benötigen internationale Fachkräfte bezüglich der Arbeit in Deutschland? Die Inhalte des Onboardings sollten für alle Seiten klar sein, damit sie im Prozess nicht vergessen werden. Dazu gehört auch, zu überlegen, zu welchen Zeitpunkten welche Informationen von Bedeutung sind.
  • Zeit zum Kennenlernen nutzen: Nach der Einreise können internationale Fachkräfte in der Regel noch nicht direkt in ihren neuen Job starten, weil sie zunächst den Anerkennungsprozess durchlaufen müssen. Doch auch in dieser Zeit können sie sich schon mit ihrem Team und der neuen Arbeitsstelle vertraut machen. So lässt sich ein fließender Übergang gestalten.

Weitere Informationen zum Onboarding internationaler Fachkräfte sowie Best-Practice-Beispiele und erprobte Instrumente finden Sie im Werkzeugkoffer „Willkommenskultur & Integration“ des Deutschen Kompetenzzentrums für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF).

 

Was beim Anerkennungsprozess und Onboarding zu beachten ist

Miriam Pleuger und Julia Schmidt vom Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF). kennen die notwendigen Schritte, um den Anerkennungsprozess internationaler Pflegefachkräfte gut zu gestalten. Tauschen Sie sich mit ihnen und anderen Netzwerkmitgliedern im Praxisdialog am 21. April um 11 Uhr aus. Am 19. Mai um 11 Uhr möchte Miriam Pleuger, wissenschaftliche Mitarbeiterin im DKF, mit Ihnen über das gelungene Onboarding internationaler Fachkräfte sprechen.

Zusammenarbeit im Team Pflegeausbildung