Illustration eines Thermometers, daneben eine Sonne und die Worte "30 Grad Celsius".

Steigende Temperaturen können sowohl Pflegekräften als auch Bewohnerinnen und Bewohnern in den Einrichtungen ganz schön zusetzen. Angesichts des Klimawandels wird sich die Problematik in den nächsten Jahren noch verschärfen. Um mit Hitze gut umgehen zu können, kommt es auf eine gute Vorbereitung an.

Welche Vorkehrungen helfen, die Auswirkungen der Hitze in den Pflegeeinrichtungen so gering wie möglich zu halten? Wie können Sie alle Beteiligten bestmöglich schützen und Arbeitsabläufe sicherstellen? Dr. Julia Schoierer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel des Bundesumweltministeriums leitet sie unter anderem ein Forschungsprojekt zum Hitzeschutz von Beschäftigten in der Pflege. In zwei Praxisdialogen im Pflegenetzwerk hat Dr. Julia Schoierer erläutert, worauf es beim Hitzeschutz aus ihrer Sicht besonders ankommt:

  1. Alle einbeziehen: Die Bedeutung des Themas ist unter Umständen noch nicht bei allen im Team angekommen. Doch aufgrund des Klimawandels werden Hitzewellen in Zukunft häufiger, intensiver und länger. Besprechen Sie gemeinsam, was das für ihren Arbeitsalltag bedeutet, wie sie dem gut begegnen und dabei auf alle Rücksicht nehmen können.
     
  2. Aktivitäten zeitlich verschieben: Sprechen Sie sich vor anstehenden Hitzewellen im Team ab, wie Sie gemeinsam Ihre Tätigkeiten den Temperaturen anpassen können. Vielleicht können Sie besonders anstrengende Aufgaben in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen und häufigere Pausen einlegen.
     
  3. Innenraum bestmöglich kühlen: Um Räume nicht noch weiter aufzuheizen, sollten Sie alle nicht zwingend notwendigen, wärmeabgebenden Geräte abschalten. Lüften Sie außerdem nach Möglichkeit in den frühen Morgenstunden und nutzen Sie konsequent Abschattungen wie Außenjalousien und Rollos. Das gilt nicht nur für Behandlungs-, Aufenthalts- und Wohnräume in den Einrichtungen. Auch die privaten Räumlichkeiten sollten Pflegekräfte so kühl wie möglich halten, damit sie sich dort gut von der Arbeit erholen können.
     
  4. Außenbereiche nutzen: Gestalten Sie die Außenanlagen der Einrichtung so, dass sowohl Pflegekräfte als auch die Bewohnerinnen und Bewohner die Chance haben, sich in kühlen Bereichen aufzuhalten. Viel schattenspendendes Grün und Wasserstellen helfen dabei. Wenn kein Teich oder Brunnen in der Nähe ist, können Sie auch feuchte Umschläge für Arme, Beine, Stirn oder Nacken nutzen oder regelmäßig Wasser mit einer Sprühflasche auf dem Körper verteilen.
     
  5. Ernährung anpassen: Achten Sie darauf, dass Sie sowie Ihre Bewohnerinnen und Bewohner ausreichend trinken. Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viel, sondern angemessene Mengen regelmäßig zu sich zu nehmen – etwa alle ein bis zwei Stunden ein Glas Wasser. Achten Sie auch beim Essen auf wasserreiche Kost wie frisches Obst und Gemüse.
     
  6. Körpersignale wahrnehmen: Tragen Sie nach Möglichkeit luftige Kleidung, damit Ihr Körper nicht überhitzt. Gerade mit der durch Corona notwendigen Schutzkleidung ist das oft leichter gesagt als getan. Informieren Sie sich deswegen im Team über Symptome, die eine Hitzeerkrankung anzeigen können. Nur so können Sie gegenseitig aufeinander achten und bei den entsprechenden Anzeichen schnell handeln. Übrigens: Regelmäßiger Sport stärkt das Herzkreislaufsystem, das bei Hitze besonders gefordert wird.
     
  7. Frühzeitig vorbereiten: Gerade im Winter gerät das Thema Hitzeprävention schnell in den Hintergrund. Besprechen Sie sich aber schon vor dem Sommer im Team, wie Sie gut vorbereitet durch die bevorstehenden Hitzewellen kommen. Die Einrichtungs- oder Teamleitung kann bereits im Vorfeld passende Arbeitszeitkonzepte erstellen, die Hauswirtschaft sich um angepasste Ernährungspläne kümmern und die Pflegekraft ihr Wissen zu Hitzeerkrankungen auffrischen.

Langfristig denken

Die Temperaturen werden sich in Zukunft noch weiter erhöhen – und damit auch die Auswirkungen von Hitze auf Pflegebedürftige und Pflegepersonal. Akute Maßnahmen reichen dann unter Umständen nicht mehr aus. Burkhardt Zieger vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) weiß, worauf es ankommt, um auch auf die nächsten Jahre gut vorbereitet zu sein.

  1. In Renovierung und Sanierung investieren: Bestimmte bauliche Veränderungen können viel dazu beitragen, Hitze entgegenzuwirken. Zu den möglichen Maßnahmen können eine bessere Isolierung, eine stärkere Begrünung der Außenanlage, die Verschattung von Fenstern oder eine klimafreundliche Klimatisierung zählen.
  2. Schulung des Personals: Pflegekräfte müssen im Ernstfall schnell reagieren. Dafür müssen sie ein fundiertes Wissen über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Körperfunktionen und -regulation, Krankheitsverläufen und klimatischen Verhältnissen aufbauen können. Der Klimawandel und seine Auswirkungen sollten fester Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung werden.
  3. Unternehmen auf Klimaschutz ausrichten: Einzelpersonen und Institutionen können die eigenen Auswirkungen auf das Klima begrenzen. Ansatzpunkte dafür sind beispielweise ein sparsamer Umgang mit Energie und Ressourcen sowie ein sinnvolles Abfallmanagement.

Weitere Informationen und hilfreiche Tipps

Informationsbroschüre zum Hitze- und Infektionsschutz, LMU Klinikum München

„Gut durch die Sommerhitze – Tipps auf einen Blick“, LMU Klinikum München

Hitzemaßnahmenplan für stationäre Pflegeeinrichtungen, LMU Klinikum München

„Pflege im Umgang mit dem Klimawandel“, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e. V.

„Klima Mensch Gesundheit“, Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

„Pflege und Hitze – Informationen für pflegende Angehörige“, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

 

Hitzeschutz heute und morgen

Wie Pflegekräfte und Führungskräfte hitzebedingten Risiken in der Pflege vorbeugen können, ist auch Thema des Praxisdialogs am 30. August um 11 Uhr. Burkhardt Zieger vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) möchte sich mit Ihnen zu möglichen Maßnahmen und den zu erwartenden Entwicklungen austauschen.

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