Wie können soziale Kontakte und Besuche in Pflegeeinrichtungen weiterhin ermöglicht werden? Vor welchen Herausforderungen stehen Pflegekräfte und Pflegeleitungen dabei? Und wie können Lösungen aussehen? Dazu tauschten sich die Teilnehmenden des achten digitalen Praxisdialogs und der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus aus.

Sicherheitsmaßnahmen zum Infektionsschutz einhalten und Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern dennoch ein Sozialleben ermöglichen –diese Herausforderung stellt sich für Pflegeeinrichtungen im Zuge hoher Infektionszahlen und erhöhter Kontaktbeschränkungen umso mehr. Im Austausch von Mitgliedern des Pflegenetzwerks mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, wurde deutlich: Viele Einrichtungen finden kreative und individuelle Lösungen, die anderen als Inspiration dienen können. Jedoch seien die Vorgaben in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich, sodass nicht alle Modelle überall gleichermaßen gut funktionierten. Generell besteht bei vielen ein Wunsch nach einem schnelleren Informationsfluss über Neuregelungen und nach einheitlicheren Vorgaben. Spielräume seien jedoch ebenfalls wichtig, um auf die individuellen Gegebenheiten jeder Einrichtung eingehen zu können.

Bundesweite Empfehlungen geplant

Gute Lösungsansätze aus der Praxis bekannt machen und mehr Einheitlichkeit schaffen: Dies ist auch ein Vorhaben des Pflegebevollmächtigten. Im Praxisdialog stellte Andreas Westerfellhaus in Aussicht, eine bundesweite Handreichung für Besuchskonzepte in Pflegeheimen zu veröffentlichen. Das Ziel: Einrichtungen unabhängig von ihrer Größe Orientierung bieten, ihnen zugleich aber auch Spielraum zur individuellen Anpassung lassen.

Kreative Ansätze aus der Praxis

Der Austausch unter Netzwerkmitgliedern über Wege und Möglichkeiten, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, machte deutlich: an guten Ideen mangelt es nicht. Funktionierende Ansätze stellten die Teilnehmenden vor: In einer Pflegeeinrichtung bekommen Besucherinnen und Besucher bei Anmeldung einen Klebepunkt auf die Kleidung. So soll sichergestellt werden, dass sich Besucherinnen und Besucher nur in den Räumen aufhalten, in denen sie zugelassen sind. Die Erfahrung der Pflegekräfte ist es, dass dies die Besucherinnen und Besucher davon abhält, sich an Orten aufzuhalten, an denen sie keinen Zutritt haben, was in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt hatte.

Eine weitere Teilnehmende berichtete, dass durch einen Aufruf in der lokalen Bevölkerung viele Freiwillige gefunden werden konnten, die das medizinische Personal entlasten konnten. Sie unterstützen unter anderem bei der Terminvereinbarung mit Angehörigen oder der Begleitung von Besucherinnen und Besuchern und halten den Pflegekräften so den Rücken frei. Auch digitale Hilfsmittel können Entlastung in der Besuchsplanung schaffen: Tablets in der Einrichtung würden beispielsweise digitale Treffen mit Angehörigen ermöglichen.

Netzwerke aufbauen und Angehörige einbinden

Als wichtigen Faktor schätzten die Teilnehmenden die Bildung von Netzwerken auf lokaler Ebene ein. An einigen Orten hat sich dies bereits eingespielt: In der Gemeinde einer Teilnehmenden hat der Bürgermeister ein wöchentliches Treffen mit lokalen Pflegeeinrichtungen und dem Gesundheitsamt ins Leben gerufen, um gemeinsam nächste Schritte zu planen.

Aktiv einbinden bei der Planung und Kommunikation von Maßnahmen müsse man aber auch die Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen, darüber waren sich die Teilnehmenden des Praxisdialogs einig. Bei ihnen Akzeptanz für die Schutzmaßnahmen zu schaffen sei ausschlaggebend dafür, dass sich das Virus nicht in den Einrichtungen verbreite, so ein Teilnehmer. Es könne helfen, Begrifflichkeiten wie „Besuchsverbot“ zu vermeiden und Maßnahmen und ihren Hintergrund transparent zu machen.

Ausgleich für Pflegende schaffen

Angesichts der erhöhten Belastungen sei es wichtig, den Pflegenden Angebote zur Unterstützung und zur Erholung zu machen, so die Teilnehmenden. Gerade Hilfsangebote wie Seelsorge oder Traumahilfe seien wichtig, um belastende Erfahrungen zu verarbeiten. In einer Stadt in Baden-Württemberg helfen ehrenamtliche Netzwerke, darunter professionelle Seelsorger und Pastoren, bei dieser Aufgabe.

Damit Besuchskonzepte funktionieren, braucht es den gemeinsamen Einsatz aller Beteiligten: der Pflegenden und zu Pflegenden, der Angehörigen und der Politik. Ein Austausch über Bedarfe, Herausforderungen und Ansätze aller beteiligten Akteure ist dafür die Grundlage. Die Teilnehmenden des Praxisdialogs waren sich einig darüber, dass das Gespräch dazu auf allen Ebenen fortgeführt werden sollte.