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Jetzt mitreden –
und die Pflegeausbildung verbessern

Die Arbeit im Pflegeberuf kann sehr erfüllend sein, aber gerade in der aktuellen Situation ist sie oft auch sehr fordernd – das gilt ganz besonders für Auszubildende kurz vor der Prüfung. Anna ist eine von ihnen, sie studiert Pflege in der dualen Variante. Im September absolviert sie ihr Examen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem nordrhein-westfälischen Krankenhaus. Hier berichtet sie über ihre turbulente Vorbereitungszeit zur Prüfung und stellt Ideen zur Verbesserung der Ausbildung vor.

»Anna, wie wird die Pflegeausbildung besser?«

„Indem man Auszubildende nicht als vollständige Arbeitskraft einplant.“

Mein Vater ist Pflegedienstleiter, sodass mir schon früh klar war, dass hinter dem Beruf der Pflegekraft so viel mehr steckt, als viele glauben. Und seit meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Geriatrie weiß ich: Wenn ich morgens mal keine Lust habe, ist dieses Gefühl spätestens nach dem ersten Patientenkontakt weg.

Jetzt stehe ich kurz vorm Examen. Und die Herausforderung ist wegen der Pandemie eine ganz andere, als ich das noch vor einem halben Jahr erwartet hätte. Normalerweise wäre ich jetzt schon auf meiner Examensstation, einer Normalstation, und würde ein Probeexamen durchspielen. Stattdessen bin ich auf der Intensivstation, wo wir in den vergangenen Wochen hauptsächlich Corona-Patientinnen und -Patienten versorgt haben. Leider gab es viele Todesfälle – selbst erfahrene Pflegekräfte hatten da teilweise mit der Belastung zu kämpfen. Für uns Auszubildende mit der Prüfung vor der Nase war die Zeit besonders herausfordernd. Uns fehlen ja auch viele Bewältigungsstrategien, die erfahrene Pflegekräfte schon haben. Zudem weiß gerade niemand, wie unsere Prüfung genau ablaufen wird und wie alles bewertet wird.

Geholfen hat uns allen auf der Station am meisten, dass wir häufig miteinander gesprochen haben. Es war viel Verständnis für uns Auszubildende da, von Anfang an. Und es gab in den turbulentesten Wochen viele Gesprächsangebote, mehr Zeit für Übergaben, die Seelsorge war oft da und sogar die Pflegedirektion kam noch freitagnachmittags um halb fünf, um zu fragen, wie es uns geht.

Jetzt, wo sich die Situation etwas gelockert hat, setzt sich unser Team sehr dafür ein, Kapazitäten für unsere Prüfungsvorbereitung zu schaffen. Ich und zwei weitere Azubis konnten auch schon einmal unser Examen durchspielen. Das gibt mir auf jeden Fall ein Stück Sicherheit – auch wenn ich jetzt nicht genau weiß, wie die Prüfung auf der Normalstation ablaufen wird und ob dabei meine fehlende Einarbeitungszeit berücksichtigt wird.

Unabhängig von meiner aktuellen Situation möchte ich aber noch drei Vorschläge einbringen, wie sich die Ausbildung aus meiner Sicht verbessern ließe, um mehr Pflegekraft zu schaffen: Im praktischen Teil werden wir Auszubildende in vielen verschiedenen Einrichtungen eingesetzt. Das ist gut, denn so erhalten wir viele unterschiedliche Einblicke. Ich würde mir aber wünschen, dass bei der Zuteilung unsere Vorlieben mehr berücksichtigt werden. Zweitens sollten wir nirgends als vollständige Arbeitskraft eingeplant werden. Und drittens sollten Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter für ihre Tätigkeit freigestellt werden und dafür extra honoriert werden.

Zum Thema Ausbildung diskutiert Anna im ersten Praxisdialog

Praxisdialog: Ausbildung in der Pflege

Drei Fragen an Anna: So resümiert die Auszubildende den ersten Praxisdialog.