Pflegekräfte aus Leipzig, dem Ruhrgebiet und dem Rhein-Main-Gebiet sprachen Mitte Dezember in regionalen Praxisdialogen darüber, wie sie aktuell Besuche ermöglichen und wie sie mit den besonderen Herausforderungen der Weihnachtsfeiertage umgehen.

Vor Ort ins Gespräch kommen und sich zu aktuellen Herausforderungen austauschen: Dies ist ein Ziel der Aktion „Weil’s auf sie ankommt“ des Pflegenetzwerks Deutschland. In den ersten regionalen Praxisdialogen sprachen die Teilnehmenden über eine Herausforderung, vor der bundesweit viele Einrichtungen stehen: Wie können in einer emotional aufgeladenen Zeit wie zu Weihnachten gute Lösungen gefunden werden, die Infektionsschutz und Sozialleben der Bewohnerinnen und Bewohner ermöglichen?

Vielfältige Besuchskonzepte

Von telefonischer Vorplanung über feste Zeiten bis zu größtmöglicher Flexibilität – diese Spannweite an Besuchsregelungen gibt es in den Einrichtungen der Teilnehmenden der regionalen Praxisdialoge. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Einhalten von Abstands- und Hygienevorgaben wird überall vorausgesetzt. Abhängig von den räumlichen Gegebenheiten berichteten die Mitglieder des Pflegenetzwerks allerdings von unterschiedlichen Modellen, um Pflegebedürftige, Angehörige und Personal bestmöglich zu schützen. In einigen Einrichtungen finden die Besuche auf den Zimmern statt, in anderen in einem eigens dafür eingerichteten Raum. Eine Teilnehmerin berichtete, dass der Besuchsraum in ihrer Einrichtung sogar von außen erreichbar ist, um Kontakte zu anderen Heimbewohnerinnen und -bewohnern weitestgehend zu vermeiden.

Flexibel bleiben und transparent kommunizieren – das sei angesichts laufender angepasster Vorgaben wichtiger denn je. Und es brauche kreative Lösungen, um den individuellen Gegebenheiten jeder Einrichtung Rechnung zu tragen.

Die Organisation und die Umsetzung der Besuche haben sich inzwischen besser eingespielt, der zusätzliche Aufwand bleibe jedoch groß, berichteten die Einrichtungsleitungen in den digitalen Dialogen. Vielerorts wurden Aushilfen eingestellt, ehemalige Pflegekräfte aus der Rente zurückgewonnen und Empfangsmitarbeitende geschult, um die Besuche sicher zu ermöglichen.

Weihnachten sicher feiern – mit individuellen Lösungen und klaren Abläufen

Über die Feiertage regeln die Einrichtungen die Besuche unterschiedlich. Im Ruhrgebiet hat eine Einrichtung den Tag vor Heiligabend als Termin festgelegt, an dem sich alle Weihnachtsbesucherinnen und -besucher testen lassen. Angehörige haben bisher durchgehend positiv auf dieses Vorgehen reagiert. Eine Einrichtung in Frankfurt am Main sieht einen festen Ablauf für die Feiertage vor: Den Gottesdienst an Heiligabend hält ein Geistlicher, der zuvor getestet wurde; Trennwände sichern dabei den Abstand, kontinuierliches Lüften ist vorgesehen. Im Anschluss können alle Heimbewohnerinnen und -bewohner jeweils eine Person als Besuch empfangen. Danach gibt es Mittagessen. Anschließend werden die Räume desinfiziert. Ein ehrenamtlich tätiger Arzt testet für die zweite Besuchszeit die Besucher, die zuvor noch nicht getestet worden sind. Abends ist ein Gruppenprogramm mit Essen, Musik und Bescherung nur für Bewohnerinnen und Bewohner geplant. Am ersten Feiertag wird die Einrichtung gereinigt und erst am 26. Dezember sind wieder normale Besuche mit Schnelltests möglich.

Doch wie geht man vor, wenn Pflegebedürftige aus Heimen an Weihnachten Familienbesuche außerhalb der Einrichtungen machen? Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen ist dann nicht nachprüfbar. Dazu berichtete eine weitere Teilnehmerin aus Frankfurt, dass in diesem Fall bei der Rückkehr die gleichen Schutzmaßnahmen gelten wie für Neubewohnerinnen und Neubewohner: Für den ersten Zeitraum wohnen sie vom Rest des Hauses getrennt und nach etwa einer Woche erfolgt ein Coronatest.

PoC-Antigen-Tests und PCR-Tests im Einsatz

Wie und wann muss getestet werden? Auch diese Frage diskutierten die Teilnehmenden. Eine Einrichtung berichtete von ihrem Testkonzept, das vorsah, dass alle Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohner sowie regelmäßige Besucherinnen und Besucher alle 14 Tage einen PoC-Antigen-Tests machten.1 Handwerkerinnen und Handwerker sowie Bewerberinnen und Bewerber wurden beim Eintreffen in der Einrichtung getestet. Bei Positivergebnissen erfolgte zusätzlich ein PCR-Test.

 

Hinweis

Die nationale Teststrategie der Bundesregierung empfiehlt bei symptomatischen Personen PCR-Tests. Nur für die Fälle, bei denen ein schnelles Resultat notwendig ist, werden auch Antigen-Schnelltests empfohlen. Ein positiver Antigen-Schnelltest muss immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass ein negatives Ergebnis bei einem Schnelltest nicht zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen dürfe. Auch mit negativem Ergebnis müssten Abstand und die Hygieneregeln weiter konsequent eingehalten werden. Dies sei Besucherinnen und Besuchern jedoch mitunter schwer zu vermitteln, sobald ein negatives Ergebnis vorliege.

Pflegeeinrichtungen und Pflegekräfte sind auf die Mitarbeit der Angehörigen angewiesen. Die Teilnehmenden wünschten sich, dass sich Angehörige ihre Beteiligung am Infektionsschutz vor Augen führen und darauf achten. Die Einrichtungen können den Rahmen bieten, aber letztendlich bestimmt das eigene Handeln von allen Beteiligten den Erfolg.

Möchten auch Sie sich mit Pflegekräften aus Ihrer Region vernetzen und über aktuelle Herausforderungen austauschen? Oder wünschen Sie sich einen Dialog mit der Lokalpolitik bei Ihnen vor Ort? Dann schreiben Sie uns! Mit der Aktion „Weil’s auf sie ankommt“ wollen wir den lokalen Austausch in der Pflege und mit der Politik intensivieren – machen Sie mit!

1 § 5 der Test-Verordnung ermöglicht, dass Tests für Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeitende wöchentlich durchgeführt werden. In den Ländern wurde mittlerweile die Zahl der von den Einrichtungen durchzuführenden Tests verbindlich geregelt.

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