Illustrative Darstellung des Motivs "Hand reichen"

Wie erleben beruflich Pflegende und pflegende Angehörige die Corona-Pandemie? Und wie beeinflusst diese die Zusammenarbeit? Darüber sprachen Pflegende, Angehörige und Aktive aus Angehörigenverbänden.

Im Praxisdialog zeigte sich: Gerade in der aktuellen Situation ist ein gutes Miteinander zwischen den beruflichen und den häuslich Pflegenden für das Wohl der Pflegebedürftigen wichtig. Welche Herausforderungen sich für beide Seiten derzeit ergeben, konkretisierten die Teilnehmenden im digitalen Austausch.

Für die pflegenden Angehörigen war zentral:

  • In der häuslichen Pflege entstünden vor allem Mehrbelastungen durch Einschränkungen bei den ambulanten Pflegediensten: Insbesondere in den ersten Monaten der Pandemie fiel Unterstützung weg, da beispielsweise Tagespflegeeinrichtungen geschlossen waren oder ambulante Hilfskräfte nicht eingesetzt werden konnten. Gleichzeitig kamen bei einigen pflegenden Angehörigen weitere private Herausforderungen wie etwa Kinderbetreuung hinzu.
  • Der Alltag Vieler sei außerdem durch die Angst bestimmt, die pflegebedürftigen Angehörigen anzustecken. Selbstgewählte Isolation und zusätzliche Einschränkung seien die Folge.
  • Für Angehörige, die eine Heimbetreuung in Anspruch nehmen, seien vor allem die psychischen Belastungen durch Besuchsregelungen und durch die allgemeine Verunsicherung über die Lage ein großes Problem.

Die beruflich Pflegenden sehen vor allem diese Herausforderungen:

  • Auch in Heimen nähmen Angehörige oft eine entlastende, unterstützende Rolle ein. Dies falle aktuell weg, sodass sich für das Pflegepersonal ein hoher Mehraufwand ergebe.
  • Als neue Aufgabe komme die Kommunikation mit besorgten Angehörigen hinzu, bei denen die Informationslage auf unterschiedliche Resonanz und gemischtes Verständnis treffe.
  • Bei Patientinnen und Patienten oder Heimbewohnerinnen und -bewohnern stehe die Bedrohung durch das Virus auch den Folgen für die psychische Gesundheit gegenüber, wenn sie sich über längere Zeit isoliert fühlen. Insgesamt berge dies Konfliktpotenzial.

Ganz grundsätzlich wünschten sich die Teilnehmenden, dass sich Angehörige und beruflich Pflegende gegenseitig mehr für ihre Arbeit wertschätzen, sich in ihren Anliegen gegenseitig unterstützen und einander mehr Gehör schenken.

Wie das gelingen kann, dafür entwickelten die Teilnehmenden konkrete Ideen:

  • Angehörige mit ins Boot holen und ihre Ängste ernstnehmen: Hier können Angehörigenbeiräte in den Einrichtungen ein gutes Mittel sein.
  • Pflegekräfte in ihrer beratenden und deeskalierenden Rolle durch entsprechende Schulungen stärken: So können sie möglichen Konflikten und Problemen im direkten Kontakt und persönlichen Rahmen erfolgreich begegnen. Mit gestärkten kommunikativen und sozialen Kompetenzen können Pflegekräfte außerdem besser mit den Bedarfen von Angehörigen, zu Pflegenden – und letztlich auch mit ihren eigenen – umgehen.
  • Bewegungsspielräume im Rahmen der allgemeinen Regelungen nutzen: So könnten die Einrichtungen gut mit den jeweils individuellen Bedingungen vor Ort umgehen.
  • Mehr Angebote für pflegende Angehörige schaffen: Dazu gehören Schulungen, Sorgentelefone, Verhinderungspflege, Entlastungsbudgets, Verbesserungen im Urlaubsanspruch oder Möglichkeiten zum Austausch.
     

Abschließend unterstrichen die Teilnehmenden, dass einige Herausforderungen durch die Pandemie verstärkt, nicht von ihr ausgelöst wurden. Einige Einrichtungen wie Krankenhäuser seien nicht immer ausreichend darauf vorbereitet, mit Patientinnen und Patienten mit besonderen Bedürfnissen – wie etwa bei dementiell Erkrankten – umzugehen. Hier benötige es längerfristige und strukturelle Lösungen.

Zusammenarbeit fördern

Gute Zusammenarbeit und starke Gemeinschaften helfen dabei, Herausforderungen zu bewältigen, Lösungen zu finden und auf neue Ideen zu kommen. Wie Sie die Gemeinschaft und das Miteinander stärken können, erfahren Sie im Schwerpunkt Zusammenarbeit im Team.