Die gesprayte Banane ist sein Markenzeichen: Mit ihr zeichnet Thomas Baumgärtel Museen und Galerien weltweit als besondere Orte der Kultur aus. Seit Februar 2021 ziert eine besondere Version dieser Banane auch Impfzentren und Krankenhäuser. Warum, das erzählt der Künstler im Interview.

Herr Baumgärtel, Sie haben Ihr bekanntes Bananen-Graffiti neu interpretiert – und machen damit auf Orte aufmerksam, die die Impfkampagne gegen das Coronavirus voranbringen. Was ist der Hintergrund dieses Streetart-Projekts?

Der Lockdown – und damit auch die Schließung von Museen und Galerien – hat mich wieder dazu gebracht, die Kunst dahin zu bringen, wo sie noch gesehen wird: auf die Straße. Und da ich mich mit der gesprühten Banane immer für die Freiheit eingesetzt habe, wollte ich eine Kampagne beginnen, die sich für das Impfen einsetzt. Für mich ist das Impfen der momentan einzige und schnellste Weg zurück in die Freiheit! Und von vielen um mich herum hörte ich, dass sie sich nicht impfen lassen wollen. Mit dem Stencil „Impfbanane“ zeichne ich besondere Einrichtungen aus, die mit viel Engagement für eine möglichst hohe Impfquote sorgen oder auch mit kreativen Einfällen Vorreiter für das Impfen waren. Gleichzeitig ist die Impfbanane eine große Danksagung an das Krankenhaus- und Pflegepersonal, das über so einen langen Zeitraum einen großartigen Marathon hinlegt und eine hohe Impfbereitschaft gezeigt hat. Das Ganze hat noch einen persönlichen Hintergrund: Eigentlich sollte ich nach dem Wunsch meines Vaters Mediziner werden. Meinen Zivildienst absolvierte ich in einem katholischen Krankenhaus am Niederrhein. Dort arbeitete ich fast zwei Jahre im Pflegedienst auf der chirurgischen Männerstation, in der Ambulanz, auf der Intensivstation und im OP-Saal.

Wie viele Einrichtungen tragen die Impfbanane bereits?

Das Projekt hat sich wunderbar verselbständigt. Täglich melden sich Institutionen, Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal und wollen dabei sein. Ganz früh bot mir Roland Weigel von der Konkret Consult Ruhr GmbH als Teil der Ruhrgebietskonferenz Pflege an, mir die Touren im Ruhrgebiet zu organisieren – wir arbeiten auch weiterhin zusammen. Mittlerweile ist die Impfbanane auf über 60 Institutionen in 30 Städten zu sehen. Ihr Feedback war sehr positiv. Sie freuen sich, dass sie so ihre positiven Bilanzen in Bezug auf das Impfen in die Öffentlichkeit bringen können. Außerdem ist die Impfbanane ein Zeichen der Hoffnung für Patienten, Bewohner und Angehörige auf die Rückkehr zur Normalität.

Ihren Anfang nahm die Reise der Impfbanane in Nordrhein-Westfalen. Wird man sie künftig auch bundesweit sehen?

Das kann man schon. Von Köln aus hat sich die Impfbanane bereits in der Pfalz und in Bayern verbreitet. Die nächsten Stationen sind Osnabrück, Münster, Bonn, Karlsruhe und Berlin. Weitere „Bewerber“ sind herzlich willkommen.

Foto: Paul Meixner

Auch in seiner aktuellen Ausstellung setzt sich Baumgärtel mit der Pandemie auseinander. Kunst heilt ist im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden zu sehen, das sich auf die Verbindung von Kunst und Medizin spezialisiert. „Ich vertrete die These, dass Kunst auch eine wirksame Medizin ist, die durch die Pandemie nicht in Vergessenheit geraten darf.“