Pflege bildet den Auftakt einer neuen Sammlermünzen-Serie der Bundesrepublik Deutschland. Diese nimmt Berufsgruppen in den Fokus, die für die Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind. Zwei Künstler gestalteten die Münze: Der Berliner Designer Peter Lasch entwarf die Bildseite, der bildende Künstler Patrick Niesel die Wertseite. Im Interview erzählen sie von ihrer Arbeit – und ihrer persönlichen Verbindung zur Pflege.

Herr Lasch, Herr Niesel, wie kann man sich den Gestaltungsprozess für eine Münze vorstellen?

Peter Lasch: Bei mir steht zu Beginn immer eine ausführliche Recherche, die ich mit meinen persönlichen Erfahrungen ergänze – in diesem Fall habe ich mir die verschiedenen Bereiche der Pflege und ihre Geschichte angeschaut. Danach entwickle ich Ideen auf inhaltlicher und gestaltlicher Ebene: Mit Skizzen prüfe und optimiere ich die Umsetzung im runden Format. Meinen Favoriten arbeite ich am Computer aus und übertrage ihn anschließend als Relief auf eine Gipsscheibe. Das arbeite ich dann handwerklich bis ins letzte Detail aus.

Patrick Niesel: Bei mir sieht der Prozess ganz ähnlich aus. Am Anfang beschäftige ich mit dem jeweiligen Thema, sammle Material und Infos, die für die Gestaltung relevant sein könnten. Mit der Zeit kristallisieren sich über Skizzen verschiedene Ideen heraus, die sich immer weiterentwickeln. Die beste Lösung perfektioniere ich grafisch, arbeite sie zum fertigen Entwurf aus – und setze sie plastisch ebenfalls in ein Gipsmodell um.

Wie genau haben Sie sich dabei dem Thema Pflege genähert?

Patrick Niesel: Tatsächlich habe ich eine sehr persönliche Beziehung zur Pflege. Meine Frau arbeitet als Krankenschwester. Dadurch bekomme ich mit, was in diesem Berufsfeld an Licht und Schatten existiert.

Peter Lasch: Ich habe meinen Zivildienst in einem Seniorenwohn- und Pflegeheim absolviert und dadurch persönliche Einblicke in den Beruf der Altenpflege sowie den Kontakt und Umgang mit pflegebedürftigen Personen bekommen. Dabei habe ich einerseits schöne Erfahrungen durch die Beziehung zu den pflegebedürftigen Personen gemacht und die Sinnhaftigkeit des Berufs erlebt. Andererseits konnte ich auch sehen, dass die Altenpflege ein anspruchsvoller Beruf ist, der mit sehr hohen psychischen und physischen Belastungen der Pflegekräfte einhergeht. Klar ist natürlich, dass Altenpflege nur einen Teil der Pflegearbeit ausmacht. In jedem Alter kann man auf Pflege angewiesen sein. Insofern ist sie ein zentrales Thema, das alle angeht.

Wofür steht die Sammlermünze „Pflege“ aus Ihrer Sicht?

Patrick Niesel: Die Münze ist eine Art der Anerkennung, für die aus meiner Sicht aber das gleiche gilt wie für Beifallklatschen vor den Krankenhäusern: Dabei darf man es nicht belassen. In meiner Arbeit für die Münze kam ich immer wieder zum menschlichen Aspekt der Pflege. Und der leidet unter der zunehmenden Verwirtschaftlichung. Dabei ist die menschliche Begegnung in der Pflege meiner Meinung nach von zentraler Bedeutung.

Peter Lasch: Ich habe in erster Linie versucht, den Wert und die Vielseitigkeit der Pflege darzustellen. Um ein Bild zu schaffen, mit dem sich alle Pflegeberufe identifizieren können. Ich hoffe, dass die Münze Aufmerksamkeit für dieses so wichtige, vielseitige – aber auch fordernde Berufsfeld erzeugt. Dadurch soll es stärker in die öffentliche Wahrnehmung kommen. Und vielleicht kann das dazu beitragen, auch die großen Probleme, die dieses Feld hat, stärker anzugehen.