Illustration einer Person, die von einer anderen Person interviewt wird

Was wurde im Modellprogramm zur Personalbemessung konkret untersucht?

Dr. Antje Schwinger: Zehn vollstationäre Pflegeeinrichtungen, die am Modellprojekt teilnahmen, haben in einem Wohnbereich Personal nach dem neuen wissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahren erhalten – vor allem Assistenzkräfte. Doch das allein macht noch keine bessere Versorgung. Das Personal muss auch passend zu den Anforderungen tätig werden. Dafür haben Universität und Hochschule Bremen gemeinsam mit der contec ein Konzept entwickelt, wie Personal mit unterschiedlichen Qualifikationen und Kompetenzen eingesetzt werden kann. Das wurde in den Einrichtungen eingeübt und erprobt. Das Konzept kann an die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen angepasst werden. Das aQua Institut hat wissenschaftlich bewertet, wie mehr Personal und ein kompetenzorientiertes Personalkonzept auf die Versorgung wirken. Mit sehr positiven Ergebnissen!

Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis aus den Untersuchungen in den Einrichtungen – in Bezug auf die Arbeitsorganisation, aber auch mit Blick auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und der Bewohnenden? 

Dr. Antje Schwinger: Am wichtigsten: Die Kompetenzorientierung in der Arbeitsorganisation verbessert die Pflegequalität und die Arbeitszufriedenheit! Eine weitere Erkenntnis ist: Dafür braucht es nicht zwingend mehr Personal. Und: Kompetenzorientierung und Bezugspflege gehen Hand in Hand. Wichtig ist, Rollen und Aufgaben neu zu denken und zu verteilen. Dafür arbeiten Einrichtungen gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden zunächst deren vorhandene Kompetenzen und Stärken heraus. Die gewohnten Prozesse werden neu betrachtet und verabredet. Im Ergebnis kommen nicht nur mehr Zeit und Qualität bei den Pflegebedürftigen an – auch die Mitarbeitenden haben mehr Raum für das Wesentliche und sind zufriedener.

Welche konkreten Unterstützungsangebote und erprobten Vorgehensweisen aus dem Modellprogramm können Einrichtungen nutzen, um die Personalbemessung im eigenen Haus praktisch umzusetzen?

Dr. Antje Schwinger: Auf unserer Internetseite gibt es alle erprobten und evaluierten Materialien aus dem Modellprogramm: Fragebögen für Mitarbeitende, Vorschläge für neue Abläufe, Schulungsvideos und vieles mehr. Das alles ist gut geordnet und kann schrittweise angegangen werden. Für die Unterstützung des Prozesses vor Ort gibt es Materialien, um „Inhouse-Experten“ weiterzubilden. Bester Ausgangspunkt ist das „Konzept zur Implementation“ – eine Art Kochbuch für den Prozess, die neue Art der Arbeitsorganisation einzuführen.