Illustration: Ein Roboter, auf dessen Korpus ein Herz prangt.

Die Robotik hat das Potenzial, die körperlichen Belastungen von Pflegekräften zu reduzieren und die Qualität der Pflege zu erhöhen. Welche Möglichkeiten gibt es konkret und wie lassen sie sich gut in den Pflegealltag integrieren?

Der demografische Wandel macht sich in der Pflegebranche dahingehend bemerkbar, dass immer mehr ältere, pflegebedürftige Menschen gepflegt und betreut werden müssen. Der Einsatz technischer Entwicklungen – wie etwa der Robotik – kann dazu beitragen, Pflegekräfte körperlich zu entlasten, kostbare Zeit zum Beispiel bei organisatorischen Aufgaben einzusparen und so die Versorgung pflegebedürftiger Menschen zu verbessern. Doch dass es beim Einsatz von Robotik auch einiges zu beachten gilt, weiß Marina Weiland, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Future Aging der Frankfurt University of Applied Sciences:

  • Persönliche Beziehungen pflegen: Trotz aller Erleichterung für die Pflegekräfte kommt es darauf an, den Bezug zu den Pflegebedürftigen nicht zu verlieren. Die Pflege lebt vom persönlichen Kontakt zwischen allen Beteiligten. Deswegen sollte immer gut überlegt sein, in welchem Rahmen Robotik überhaupt zum Einsatz kommen kann. Im Fokus steht dabei das Wohl der zu pflegenden Person.
  • Einsatzfeld im Team prüfen: Eine Studie aus dem Jahr 2020 zur Akzeptanz von Technikeinsatz in der Pflege zeigt, dass Pflegekräfte einer technischen Assistenz bei körperlich anspruchsvollen Aufgaben oder bei der Dokumentation eher positiv gegenüberstehen. In sozialen und emotionalen Aspekten des Pflegealltags wird sie hingegen skeptisch gesehen. Die Bedenken und Hinweise von Pflegekräften sollten unbedingt berücksichtigt werden – damit die Robotik auch wirklich die erhoffte Erleichterung bringt, die Qualität der Pflege verbessert und alle weiterhin mit Motivation ihrer Arbeit nachgehen können. Am besten besprechen Führungskräfte die Einsatzmöglichkeiten deswegen von Anfang an mit ihrem Team gemeinsam.
  • Wünsche der Pflegebedürftigen berücksichtigen: Pflegebedürftige Personen, egal ob im ambulanten oder stationären Setting, haben bestimmte Bedarfe, die sich auf den Umgang mit technischer Unterstützung auswirken. Dreiviertel der Bevölkerung befürworten zum Beispiel den Einsatz, wenn es darum geht, an die Medikamenteneinnahme zu erinnern. Je intimer die Aufgabe jedoch wird, desto weniger Menschen können sich eine technische Assistenz vorstellen. Das belegt die Studie „Einstellung der Bevölkerung zu digitaler Unterstützung in der Pflege“. Diese Wünsche müssen natürlich Berücksichtigung finden.
  • Individuelle Lösungen finden:Um den persönlichen Bedürfnissen der Beteiligten gerecht zu werden, ist es wichtig, von Fall zu Fall individuelle Lösungen zu erarbeiten. Das Spektrum ist dabei relativ breit: Assistenzroboter unterstützen bei den alltäglichen Aufgaben wie der Nahrungsaufnahme. Monitoring-Systeme bieten die Möglichkeit, Menschen länger im häuslichen Umfeld zu pflegen, weil nicht dauerhaft eine Person vor Ort sein muss, die beispielsweise Vitalparameter erfasst. Begleitroboter dienen als Interaktionspartner. Letztlich gilt aber stets, die Vor- und Nachteile abzuwägen und die Bedenken aller Beteiligten zu berücksichtigen.
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