Illustration: Eine Person steht auf einem übergroßen Tablet-PC. In der Hand hält sie ein Klemmbrett. Um sie herum tauchen zwei Sprechblasen auf.

Digitalisierung in der Pflege kann dazu beitragen, die Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu erhöhen und Pflegekräfte zu entlasten – wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Welche Bedingungen braucht es dafür?

Dr. Vanessa Kubek ist Forscherin, Beraterin und Coach zu neuen Arbeitswelten in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. In der Digitalisierung sieht sie viel Potenzial für die Pflege. Voraussetzung ist jedoch, dass digitale Angebote gut und angemessen in den Praxisalltag integriert werden. Auf Basis ihrer Forschungsprojekte und der Begleitung von Pflegeinrichtungen hat sie hilfreiche Tipps:

  • Digitalisierung muss bedarfsorientiert sein: Sowohl Pflegekräfte als auch Pflegebedürftige haben unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse in Bezug auf eine digitale Unterstützung. Welche Angebote können zum Einsatz kommen, ohne dass die persönliche Nähe zwischen den Beteiligten zu kurz kommt? Kann sich eine ältere, pflegebedürftige Person vorstellen, ihre Essenswünsche über eine App mitzuteilen? Welche Tätigkeiten kosten die Pflegekräfte derzeit besonders viel Zeit oder Kraft? Digitale Angebote sollen bestehende Probleme lösen und im Pflegealltag unterstützen. Dafür müssen Bedarfe wie diese im Einzelfall geprüft und bedacht werden.
  • Digitalisierung muss partizipativ erfolgen: Damit digitale Lösungen an konkreten Bedarfen ansetzen, Probleme lösen und auch akzeptiert werden, müssen die verschiedensten Funktionsgruppen der Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen in allen Phasen der Digitalisierung beteiligt sein.
  • Digitalisierung muss strategisch verankert sein: Digitalisierung in der Pflege ist ein dauerhafter Prozess und endet nicht mit der Einführung bestimmter digitaler Technologien. Zu einer strategischen Vorgehensweise gehört zu Beginn eine Vision: Wo wollen wir hin? Wie wollen wir in Zukunft pflegen? Darauf aufbauend braucht es eine Analyse, welche Herausforderungen in der Einrichtung bestehen, Arbeits- und Organisationsprozesse müssen überprüft und Ziele definiert werden. Schließlich kann entschieden werden, welche digitalen Angebote bei der Zielerreichung helfen und zum Einsatz kommen sollen. Anschließend sind Anpassungen der Infrastruktur und Schulungsangebote für die Mitarbeitenden erforderlich. Auch nach der Einführung sollten der Nutzen und die Akzeptanz bei Personal und Pflegebedürftigen immer wieder überprüft werden.
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