Illustration: Eine ältere Frau, die sich am Arm eines jüngeren Mannes abstützt.

Mehr Personal, autonomeres Arbeiten, modernere Organisationsstrukturen, besserer Informationsfluss: Im digitalen Praxisdialog diskutierten Pflegekräfte, Fachleute, Führungskräfte und Mitarbeitende des Bundesministeriums für Gesundheit über das Personalbemessungsverfahren nach Prof. Rothgang.

Im Zuge des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes entwickelte eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Heinz Rothgang, Universität Bremen, ein bundesweit einheitliches Personalbemessungsverfahren für die stationären Langzeitpflege. Dieses soll perspektivisch gesetzlich verankert werden. Die Mitglieder der Konzertierten Aktion Pflege haben hierfür in einem begleitenden Roadmap-Prozess die wesentlichen Schritte beraten. Mit dem Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz, mit dem am 01. Januar 2021 bereits 20.000 zusätzliche Stellen für Pflegehilfskräfte geschaffen wurden, wurde ein erster Umsetzungsschritt bereits in die Wege geleitet. Die Stellen werden vollständig durch die Pflegeversicherung finanziert; der Eigenanteil der Pflegebedürftigen wird dadurch nicht steigen.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Abschlussbericht zum Personalbemessungsverfahren nach Prof. Rothgang (Personalbemessung in der Pflege nach § 113c SGB XI)

Konzertierte Aktion Pflege

Roadmap zur Einführung eines Personalbemessungsverfahrens 

Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege

 

Ein zentraler Aspekt des Verfahrens: Die Organisationsstruktur. Über diesen Punkt diskutierten Mitglieder des Pflegenetzwerks im digitalen Austausch mit Fachleuten, Führungskräfte und Mitarbeitenden des Bundesministeriums für Gesundheit – und fragten sich dabei vor allem: Wie ist es um diese in den Einrichtungen der Teilnehmenden des Praxisdialogs in der aktuellen Situation bestellt? Und was muss sich aus ihrer Sicht daran ändern?

  • Bisher sei man häufig noch in Hierarchien gefangen. Die Leitung müsse den Teamgedanken fördern und die Struktur in der eigenen Einrichtung modernisieren.
  • Klare Aufgaben- und Rollenprofile seien wichtig, um gut miteinander zu arbeiten.
  • Dies könne nicht ohne eine Änderung der Organisationsstruktur gelöst werden – und benötige zusätzlich personelle Verstärkung.
  • Die Pflege habe kein Ausbildungsproblem, sondern ein Problem, die Leute zu halten. Eine gute Organisationsstruktur kann dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Arbeit attraktiver zu gestalten.

Zentrales Thema der Diskussion war die Einstellung von zusätzlichem Personal auf Basis des neuen Verfahrens: Zuerst sollen bis zu 20.000 zusätzliche Pflegehilfskräfte eingestellt werden. Wie aber soll dies für die Einrichtungen ablaufen?

  • Einrichtungen können angeben, wie viele zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sie brauchen. Gemeldete Stellenanteile werden dann von den Krankenkassen unbürokratisch genehmigt.
  • Die gemeldeten Stellen sind als zusätzliche Stellen gedacht – und damit von der Fachkraftquote, die sich auf das vorzuhaltende Personal bezieht, entkoppelt.

Nicht zuletzt stand in der Diskussion fest: Damit ein einheitliches Personalbemessungsverfahren erfolgreich sein kann, müssen alle Beteiligten darüber informiert sein. Wie kann dies in den Einrichtungen gelingen?

  • Die Einrichtungsleitung müsse dafür sensibilisiert werden, dass Informationen oft stecken blieben. Informieren sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unzureichend oder über fragwürdige Quellen, könnten sie sich übergangen fühlen. Hier würden gezielte persönliche Gesprächsangebote helfen.
  • Informationen sollten kurz und prägnant sein und breiter gestreut werden. Außerdem brauche es niedrigschwellige Methoden: Plakate, Flyer und Websites würden viel genutzt.

Wichtig war den Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmern mit Blick auf die Einstellung zusätzlichen Personals, auch die Advanced Nursing Practice verstärkt in Deutschland zu implementieren.

  • Dies könne die Fachkompetenz in der direkten Pflege durch akademisierte Pflegefachkräfte stärken.
  • Wichtig dafür: Die medizinische Hoheit müsse sich verringern, die Pflegefachkräfte bräuchten mehr Möglichkeiten, um autonom arbeiten zu können – wenn sie dies wünschten. Auch der Pflegenachwuchs wünsche sich hier mehr Verantwortung und Freiheiten.
  • Wunsch: In einem Modellprogramm sollten akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte in der Langzeitpflege berücksichtig werden – „Advanced Practice Nurses“ sollen auch medizinisch unterstützen können. Dadurch erhoffen sich die Teilnehmenden zusätzliche Entlastung für die Einrichtungen.

Das Herzstück des Pflegenetzwerks:
Die Praxisdialoge

Im Dialog mit Kolleginnen und Kollegen werden Probleme und Lösungsansätze diskutiert: Was hat sich bereits bewährt? Wie gehen Kolleginnen und Kollegen in anderen Einrichtungen mit den Herausforderungen um? Wie werden Besuchskonzepte erfolgreich umgesetzt? Seien Sie dabei oder schlagen Sie Themen und Termine vor!

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