Um den Zusammenhalt in der Pflege zu stärken, kommt es auch auf ein ausgeprägtes berufsbezogenes Selbstbewusstsein der Pflegekräfte an. Wie kann eine positive Haltung zum Beruf gefördert werden?

Den Herausforderungen ihres Berufs können Pflegekräfte nur im Team begegnen. Deswegen sollten die gesellschaftliche Bedeutung des Berufs und das berufsbezogene Selbstbewusstsein von Pflegekräften nach Ansicht vieler Netzwerkmitglieder schon in der Ausbildung im Fokus stehen. Netzwerkmitglied Anke Jakobs, Vorsitzende des Berliner Landesverbands der Lehrenden für Gesundheits- und Sozialberufe, thematisierte in einem Praxisdialog gemeinsam mit Netzwerkmitgliedern Lösungswege, um dies zu erreichen.

1. Berufspolitische Inhalte transparent und kontinuierlich thematisieren:

Beginnend bei der Ausbildung, und auch im späteren Berufsalltag, sollten Pflegekräfte Themen, die das berufspolitische Selbstbewusstsein betreffen, regelmäßig diskutieren, findet Michael S. So könnten sie sich immer wieder selbst klarmachen, was ihnen der Beruf bedeutet, was Pflege ausmacht und welche Bedeutung gute Rahmenbedingungen haben. Es gelte, die Berufsgruppe aus sich heraus stark zu präsentieren.

2. Positiv über sich selbst sprechen:

Wenn Pflegekräfte selbst gut über ihren Beruf reden, wirkt sich das positiv auf das Selbstvertrauen der Kolleginnen und Kollegen und die Wahrnehmung des Berufs in der Gesellschaft aus – davon sind Christina G. und Anke Jakobs überzeugt. Der Austausch sei wichtig, um die Identifikation mit der eigenen Profession zu stärken und für sich bewusst zu definieren: Was ist Pflege? Was leisten wir eigentlich jeden Tag? Und was brauchen wir, um unseren Beruf gut ausüben zu können?

3. Emotionalität in Zahlen übertragen:

Es reicht jedoch nicht, wenn sich die Pflegekräfte selbst über die Bedeutung ihrer Arbeit bewusst sind. Es kommt auch auf Wertschätzung von außen an – zum Beispiel durch eine angemessene Bezahlung. Dafür braucht es auch die Politik. Um hier stärkeren Einfluss nehmen zu können, müssten Pflegekräfte ein Sprachrohr schaffen, betont Anke Jakobs. Auch dafür brauche es ein starkes, berufspolitisches Selbstvertrauen.

4. Transparenz schaffen:

Anke Jakobs stellt zudem heraus: Sich berufspolitisch einzusetzen bringe besondere Herausforderungen mit sich. Das Engagement findet derzeit in der Regel im Ehrenamt statt. Das sollten angehende Pflegekräfte bereits in der Ausbildung erfahren, damit sie sich bewusst dafür entscheiden können, für ihren Beruf einzustehen. Eine größere berufspolitische Motivation kann dann auch dazu führen, dass aus einem ehrenamtlichen Engagement eine hauptamtliche Tätigkeit wird.

5. Ängste abbauen:

Christina G. ergänzt: Pflegekräfte hätten häufig die Sorge, sich von Beginn an umfänglich auskennen zu müssen, wenn sie berufspolitisch aktiv sein wollen. Es gäbe aber auch genug Möglichkeiten, sich im Kleinen berufspolitisch zu engagieren.