Schlecht über andere zu reden ist für viele Menschen ein Ventil, um mit Stress umzugehen. Es schafft Allianzen, schließt aber auch andere aus und verhindert häufig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Welche Erfahrungen haben Netzwerkmitglieder damit gemacht?

„Egal wie groß der Betrieb ist, gelästert wird überall“, sagt Pflegedienstleitung Ingrid im Praxisdialog zum Thema. Und das geht meist gegen die eigenen Kolleginnen und Kollegen: „Wir pflegen eine wertschätzende Art gegenüber den Patientinnen und Patienten, aber nicht gegenüber uns Pflegekräften selbst“, so Netzwerkmitglied Sylvie. Wohin das führen kann, verdeutlicht die Auszubildende Eva: „Dass in der Berufsschule über eine Pflegefachfrau und auch über andere Auszubildende gelästert wurde, hat mich sehr verunsichert. Ich hatte ja gerade erst angefangen, mich pflegerisch zu betätigen. Jetzt versuche ich, mich neu zu orientieren, denn ohne kollegialen Zusammenhalt geht es für mich nicht. Durch die negativen Erfahrungen, die ich gemacht habe, möchte ich gar nicht mehr in der Pflege arbeiten.“ Tipps aus dem Netzwerk helfen, mit dem Phänomen gut umzugehen:

  • Das Problem ansprechen: Wenn Lästern den Arbeitsalltag beeinflusst, den Teamzusammenhalt schwächt oder Einfluss auf das Wohl von Patientinnen und Patienten hat, sollten Führungskräfte das Thema offen ansprechen, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Ursachen feststellen und an diesen arbeiten, so Alexander, der einen Kinderintensivpflegedienst leitet.
     
  • Das Thema auf eine sachliche Ebene bringen: Lästern hat viel mit Emotionen zu tun. „Wenn das Thema besprochen wird, muss Platz sein für diese Emotionalität“, sagt Pflegedienstleiter Michael. „Aber man muss auch versuchen, es auf eine Sachebene zu führen, um weiterzukommen.“
     
  • Externe Unterstützung holen: Um die Ursachen von Lästereien zu bearbeiten, kann der neutrale Blick von außen helfen. Eine Supervisorin oder ein Supervisor kann Gespräche strukturieren und helfen, sich zielführend miteinander auszutauschen. „Außerdem kann Supervision eine offene Atmosphäre schaffen, in der alles zur Sprache kommt. Ich alleine als Teamleitung könnte das nicht“, so Pflegedienstleiter Michael.
     
  • Teamzusammenhalt stärken: Lästern entsteht häufig durch fehlende Kommunikation im Team. Wenn Führungskräfte gezielt den Austausch fördern, kann das gegenseitiges Verständnis und Vertrauen untereinander schaffen. Auch Konflikte können so direkt miteinander gelöst werden, sagt Kirstin, die als Referentin für einen Wohlfahrtsverband arbeitet.
     
  • Arbeitsbelastung reduzieren: Eine weitere Ursache für Lästern ist oft eine zu hohe physische und psychische Belastung, so Alexander, der Geschäftsführer eines Kinderintensivpflegedienstes. Es entstehe das Gefühl der Benachteiligung gegenüber anderen und dadurch Missgunst. Führungs- und Pflegekräfte sollten hier gemeinsam überlegen, wie sie Belastungen reduzieren und gerecht verteilen können.
     
  • Schulungen anbieten: Strukturierte und verbindliche Schulungen und Fortbildungen zu Themen wie der wertschätzenden Kommunikation untereinander oder Ursachen und Wirkungen von Lästern können für das Thema sensibilisieren und alternative Verhaltensweisen aufweisen. Das führt zu einer signifikanten Verbesserung des Teamzusammenhalts und damit zu mehr Zufriedenheit im Beruf, gibt Alexander als Tipp im Praxisdialog mit.