

Welche Kompetenzen braucht Pflege künftig – und wie lassen sich Aufgaben, Verantwortung und Qualifikationen sinnvoll aufeinander abstimmen? Mit dem Projekt BAPID wird eine Bildungsarchitektur für die Pflege in Deutschland dargestellt und entwickelt. Im Mittelpunkt stehen klare Rollenprofile, moderne Kompetenzstufen und bessere Übergänge zwischen Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Ziel ist es, Pflegeberufe zukunftsfähig aufzustellen und den steigenden Anforderungen in Versorgung und Praxis gerecht zu werden.
Mit dem Projekt BAPID – Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland – verfolgt der Deutsche Pflegerat (DPR) das Ziel, Bildungswege, Rollenprofile und Kompetenzniveaus in der Pflege systematisch weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Pflegebildung in Deutschland so gestaltet werden kann, dass sie den Anforderungen einer zunehmend komplexen Versorgung gerecht wird und zugleich berufliche Entwicklung, Durchlässigkeit und internationale Anschlussfähigkeit stärkt.
Die wissenschaftliche Umsetzung erfolgt durch die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung des Deutschen Pflegerats aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Der Start der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 gilt als wichtiger Meilenstein für die Professionalisierung der Pflege. Gleichzeitig blieb jedoch offen, wie sich berufliche, hochschulische und weiterführende Qualifikationen künftig systematisch zueinander verhalten sollen. „Mit BAPID wollen wir ein abgestimmtes Gesamtbild der Pflegebildungslandschaft entwickeln, das bestehende Bildungskonzepte ebenso berücksichtigt wie zukünftige Anforderungen an Versorgung, Professionalisierung, Digitalisierung und Fachkräftesicherung“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops.
Im Kern geht es darum, das bisherige „Alle machen alles“-Prinzip in der Pflege zu überwinden. BAPID beschreibt daher unterschiedliche Qualifikationsstufen, Rollen und Verantwortungsbereiche, ohne einzelne Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen. Stattdessen soll sichtbar werden, welche Kompetenzen Pflegefachpersonen auf unterschiedlichen Bildungsniveaus einbringen – und wie diese im Versorgungsalltag sinnvoll zusammenwirken können.
BAPID macht deutlich, dass die Pflege in Deutschland klare Kompetenzprofile und gut abgestimmte Bildungswege benötigt. Die Begleiterhebung aus BAPID III zeigt zugleich, dass differenzierte Rollenprofile in der Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnen – insbesondere für Personalentwicklung, Aufgabenverteilung und moderne Versorgungskonzepte. Während akademisch qualifizierte Pflegeprofile vor allem in Krankenhäusern und Universitätskliniken bereits stärker etabliert sind, befinden sie sich in anderen Versorgungsbereichen vielerorts noch im Aufbau.
Zugleich versteht sich BAPID ausdrücklich nicht als abgeschlossenes Modell, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess. „Ziel bleibt eine Pflege, in der Kompetenzen sichtbar, Rollen verständlich und berufliche Entwicklung verlässlich möglich sind“, sagt Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops.
Individuelle Berufslaufbahn in der Pflege ermöglichen
Kann ich mich weiterbilden und in der Pflege tätig sein? Ist es möglich eine Familie zu haben und im Schichtdienst zu arbeiten? Ich möchte ein Sabbatical machen, aber „in der Pflege wird doch gerade jeder gebraucht“?
Beruflich Pflegende haben meist den Wunsch, ihren Beruf auch dann weiter auszuüben, wenn sich die persönlichen Lebensumstände oder Rahmenbedingungen verändern. Der Wunsch besteht, die individuelle Berufslaufbahn mit den persönlich-privaten Interessen und Zielen zu verbinden und so das eigene Leben gestalten zu können. In der Praxis entsteht nicht selten ein Spagat zwischen den Erwartungen der Mitarbeitenden und den Erfordernissen der Organisation … und für Führungskräfte ist die Lösungsfindung eine echte Herausforderung.
Mit diesem Thema hat sich das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragte Projekt „Lebensphasengerechte Personalentwicklung mit abgestimmten Qualifikations- und Tätigkeitsprofilen und Berufslaufbahn“ beschäftigt. Im Fokus stand die Analyse individueller Berufsverläufe in der Pflege im Kontext betrieblicher Bedingungen und Bildungsmöglichkeiten. Auf dieser Grundlage wurden Materialien entwickelt, die sowohl den Organisationsverantwortlichen in Unternehmen/Betrieben Anregungen und Informationen gibt als auch den Beschäftigten persönliche Orientierung für die Gestaltung des eigenen Berufsweges bietet. Die Materialien umfassen eine Metrokarte mit unterschiedlichen Berufssteckbriefen, einen Erklärfilm sowie einen betrieblichen Leitfaden.
Im digitalen Praxisdialog stellten Dr. Barbara Kiepenheuer-Drechsler vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung und Julia Lenzen vom Institut Arbeit und Technik die zentralen Ergebnisse sowie die Empfehlungen vor.
Hier geht’s zur Aufzeichnung.
Perspektiven der beruflichen Weiterbildung
In der Praxis kann der Einstieg in die Pflege ganz unterschiedlich erfolgen. „Nicht jede Karriere in einer Pflegeeinrichtung muss mit einer Pflegeausbildung beginnen“, betont Dr. Christine Hardegen, von der Weiterbildungseinrichtung also – Akademie für Leitung, Soziales und Organisation GmbH in Heidelberg. „Wir beobachten, dass mehr und mehr berufliche Quereinsteiger die Angebote zur Umschulung in einen Pflegeberuf oder eine berufliche Weiterbildung für Führungs- oder weitere Aufgaben wahrnehmen.“
Welche Karrieren und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es in der Pflege? Im Praxisdialog zeigte Dr. Christine Hardegen von also GmbH verschiedene Ausbildungswege und Fortbildungsmöglichkeiten für Pflegekräfte auf.
Hier geht’s zur Aufzeichnung.
Pflegeausbildung im Veränderungsprozess: Wo stehen wir und wie geht's weiter?
Das Forschungsprojekt „Begleitforschung des Veränderungsprozesses zur Einführung der neuen Pflegeausbildungen (BENP)“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat die Umsetzung der Pflegeausbildungen nach dem Pflegeberufegesetz bundesweit über 36 Monate wissenschaftlich begleitet. Das Projektkonsortium bestand aus dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) (Dr. Markus Wochnik), der Katholischen Stiftungshochschule München (Prof. Dr. Bernd Reuschenbach) und der Hochschule Esslingen (Prof. Dr. habil. Karin Reiber).
Im Praxisdialog stellte das Projektkonsortium die Ergebnisse, Erfolgsfaktoren und Hemmnisse aus Sicht von ausbildenden Akteuren sowie Erfahrungen der Auszubildenden und Studierenden vor.
Hier geht’s zur Aufzeichnung.