Die Diagnose Demenz ist lebensverändernd – für die Betroffenen und ihre An- und Zugehörigen. Neben medizinischer Versorgung und Pflege werden vor allem Information, Orientierung und konkrete Unterstützung im Alltag gebraucht. Genau hier setzen die „Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz“ an: Sie bündeln Ressourcen, geben Unterstützung und ermöglichen aktive Teilhabe und Austausch.
Menschen mit Demenz vor Ort zusammenbringen – mit anderen Betroffenen, aber auch mit weiteren Akteurinnen und Akteuren, die Unterstützung oder Hilfe anbieten. Genau dieses Ziel verfolgen die „Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz“. Sie werden seit 2020 – mit dem Start der Nationalen Demenzstrategie durch das damalige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Ziel ist es, regionale Unterstützungsstrukturen zu etablieren, um die Lebenssituation und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren An- sowie Zugehörigen im lokalen Setting nachhaltig zu verbessern.
Netzwerke sind ein Anker vor Ort
„Durch das Bundesprogramm gibt es mittlerweile über 100 weitere Lokale Allianzen“, sagt Nadine Gold, Leiterin der Netzwerkstelle „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO). Sie bringen unterschiedliche Partner an einen Tisch, die nicht immer zwingend mit der eigentlichen Versorgung von Menschen mit Demenz zu tun haben. „Die Stärke liegt darin, dass sich die verschiedenen Akteurinnen und Akteure austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln, die sonst niemand allein stemmen könnte“, betont Gold. „Dabei sensibilisieren wir dafür, Menschen mit Demenz in die Arbeit einzubeziehen und eine Mitwirkung zu ermöglichen. So entstehen Teilhabenetzwerke.“
Fokus der Allianzen regional unterschiedlich
Dabei ist jede Lokale Allianz so individuell wie die Region selbst. „In einer ländlichen Gegend sind andere Wege gefragt als in einer Großstadt. Manche Allianzen haben sich sehr stark auf die Unterstützung von Angehörigen spezialisiert, andere konzentrieren sich auf Angebote zur Freizeitgestaltung oder Beratung“, so Gold. Die Professionelle Pflege ist oft Teil dieser Strukturen, vielfach ein Akteur unter vielen anderen. Sie betont zudem: Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sind Nähe und Vertrauen zentrale Faktoren. Die Allianzen können aufgrund ihrer lokalen Verankerung genau das leisten. „Wenn Betroffene und Angehörige sehen, dass da ein verlässliches Angebot in ihrer Nachbarschaft existiert, senkt das die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt sie. „Auch kleine Formate wie Gesprächscafés oder Informationsabende können entscheidend sein.“
Unterstützung durch die Geschäftsstelle
Entscheidend sei die Nachhaltigkeit der Angebote, so Gold: „Wir erleben oft, dass Einzelpersonen unglaublich engagiert sind. Damit aus einem Projekt eine dauerhafte Struktur wird, braucht es aber eine gemeinsame Kooperation mit klarer Arbeitsteilung und regelmäßiger Fortbildung. Bei Herausforderungen in der Arbeit hilft auch eine begleitende Stelle als Ansprechpartner – wie wir sie bieten.“
Deshalb ist es ein zentrales Anliegen der Netzwerkstelle für „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“, diese Arbeit mit einer Vielzahl von Angeboten wie regionalen und bundesweiten Fachtagungen, Workshops und Vernetzungstreffen für den Erfahrungsaustausch oder auch einer fachlichen Begleitung und Beratung in der Bewerbungs- und Förderphase zu unterstützen.
Wie gelingt gute Unterstützung vor Ort für Menschen mit Demenz? Im Praxisdialog vom 26. September zeigten Nadine Gold (BAGSO-Netzwerkstelle) und Isabell Eickhoff (DemenzNetz Wilhelmshaven), wie Lokale Allianzen Akteurinnen und Akteure verbinden, Angebote bündeln und Hilfe dorthin bringen, wo sie gebraucht wird.
Jetzt die Aufzeichnung ansehen und Impulse für die eigene Region mitnehmen.
Demenz als Aufgabe für die Gesellschaft
Eine große Herausforderung besteht darin, Demenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichtbar zu machen. „Wenn wir es schaffen, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht zu isolieren, sondern mitten in der Gesellschaft zu halten, dann ist das ein Gewinn für alle“, betont Nadine Gold. Die „Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz“ sind aus ihrer Sicht ein Erfolgsmodell. Sie zeigen, wie durch Zusammenarbeit, Engagement und Kreativität Strukturen entstehen können, die Betroffene und ihre Familien tragen. „Am Ende geht es darum, Mut zu machen und Sicherheit zu geben“, bilanziert sie. „Dafür sind die Netzwerke ein unverzichtbarer Baustein.“