Fachdialog Pflege

Eine Profession im Wandel

Im ersten Fachdialog am 26. Mai haben wir auf den Wandel der Profession Pflege geschaut: Wie haben sich Rollenverständnisse und Rollenbilder verändert? Was sind zentrale Themen, die beruflich Pflegende beschäftigen, und wie können sie selbst aktiv den Wandel gestalten? Als Panelgäste dabei waren Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Josephine Postzich als Vertreterin ‚Junge Pflege‘ im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und Heike Hoffer, Referatsleiterin 421 (Fachkräftesicherung Inland), Bundesministerium für Gesundheit. 

Pflege verändert sich – fachlich, gesellschaftlich und politisch. Das wurde auch im Gespräch mit unseren Gästen und den rund 90 Teilnehmenden im Fachdialog deutlich. „Noch vor 30 Jahren, als ich in der Pflege begann, wurde sie noch nicht als eigene Profession wahrgenommen. Das hat sich auf jeden Fall geändert“, betonte Wolfgang von Gahlen-Hoops in seinem Eingangsstatement. Der Professor für die Didaktik der Pflege und Gesundheitsberufe in der Medizinischen Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität. Er verwies auf den Stellenwert der Pflegewissenschaft sowie die Möglichkeit der hochschulischen Ausbildung in der Pflege. Darüber hinaus haben sich aus seiner Perspektive Berufsverständnis und Ausbildungsinhalte stark verändert. „Früher war es doch mehr ein ‚Einheitsberuf‘, und alle haben sich für alles verantwortlich gefühlt. Heute spielt Interprofessionalität eine größere Rolle und auch in der Ausbildung sind sowohl Inhalte als auch Lernformate reichhaltiger geworden. Das macht mehr Lust darauf, den Beruf auch in seiner Breite kennenzulernen.“

Perspektive der jungen Pflege auf den Wandel in der Pflege

Eine ähnliche Sichtweise beschrieb Josephine Postzich, die zunächst als generalistisch ausgebildete Pflegefachfrau in den Bereich gestartet ist und aktuell nebenberuflich Community Health Nursing an der Apollon Hochschule studiert. „Ich mache den Wandel in der Pflege auf jeden Fall auch vor allem in der Ausbildung fest. Wir junge Pflegenden sind eigentlich diejenigen, die diesen Wandel wirklich hautnah miterleben“, unterstrich sie im Fachdialog. Dies laufe auch nicht immer konfliktfrei ab. „Junge Pflegefachpersonen müssen sich sehr stark beweisen mit der neuen generalistischen Pflegeausbildung und auch viel Kritik einstecken dafür, was sie gerade lernen oder was sie vermeintlich nicht lernen“, so Postzich. Aus ihrer Perspektive sei es wichtig, noch mehr über die Inhalte der Generalistik aufzuklären, weil es vor allem dort Ablehnung und Vorurteile gebe, wo noch zu wenig über die Ausrichtung der Ausbildungsinhalte bekannt sei.
 

Bild von Josephine Postzich
“Ich habe mich für die Pflegeausbildung entschieden, als ich von der Einführung der Generalistik gehört habe. Obwohl ich damals noch wenig über die Pflege wusste, hatte ich das Gefühl, dass sich in dem Berufsfeld gerade viel bewegt. Mich hat gereizt, Teil dieser Entwicklung zu sein.”
Josephine Postzich, Vertreterin der AG Junge Pflege im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordost

Das Für und Wider der Generalistik waren in der späteren Diskussion mit den Teilnehmenden Thema: Wie können Abbrüche von Auszubildenden verhindert werden? Welche Gründe liegen vor, und wie kann es gelingen, dem vorzubeugen? Diese und weitere Themen rund um die Pflegeausbildung wurden im Fachdialog von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Der politische Rahmen für den Wandel

Eine politische Perspektive auf den Wandel der Profession Pflege brachte schließlich Heike Hoffer als Referatsleiterin aus dem Bundesministerium für Gesundheit ein. „Rückblickend kann man sagen, dass vieles von dem, was die Pflege seit 25 Jahren beharrlich gefordert hat, jetzt auch als Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht wurde“, so ihre Einschätzung mit Blick auf die in den Pflegeberufe-Gesetzen abgebildeten neuen Ausbildungsformen von Pflegeassistenz über Generalistik bis hin zum Pflegestudiumsstärkungsgesetz, dem in diesem Jahr in Kraft getretene Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege sowie dem noch geplanten sog. „APN-Gesetz“.

„Das sind für uns alles Teile eines Gesamtkonzepts zur Weiterentwicklung und auch weiteren Aufwertung des Pflegeberufs“, sagte Hoffer und erläuterte in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen von berufsrechtlichen und leistungsrechtlichen Änderungen auf die konkrete pflegerische Versorgung. Sie warb dafür, dass es nun darum ginge, diesen Wandel des gesetzlichen Rahmens auch in der Praxis zu leben und in den Dialog darüber zu gehen, wie sich Pflege künftig anders organisieren und weiterentwickeln kann. Josephine Postzich unterstrich, dass es bei der politischen Weiterentwicklung langfristig noch mehr Fachexpertise von den Personen braucht, die tatsächlich in der Pflege sind: „Ein großes Problem in der Pflege ist, dass wir uns überwiegend alle ehrenamtlich außerhalb unseres Berufes engagieren, um berufspolitisch etwas zu bewegen.“

Wie wichtig den Teilnehmenden berufspolitische Aspekte waren, zeigte sich in einer Live-Umfrage. Hier war das Publikum aufgerufen zu beschreiben, was für sie zentrale Themen sind, die sie aktuell beschäftigen. Stichworte wie Bezahlung, Pflegekammer, Haltung und Qualität in der Versorgung waren zentrale Begriffe, die genannt wurden. „Viele dieser Themen nehme ich in meinen Diskussionen mit anderen jungen Pflegenden auch als relevant wahr“, sagte Josephine Postzich. Insbesondere die Frage, wie neue Kompetenzen in der Praxis umgesetzt werden und wie Berufseinsteigende mit primär qualifizierendem Studium ihren Platz finden können, seien wiederkehrende Themen im Berufsalltag.

Bildungsarchitektur und Karrierewege in der Pflege

Ein weiterer Teil des Fachdialogs war der Frage gewidmet, welche Qualifikationen und Kompetenzen in der Pflege aktuell gebraucht werden, um den Wandel der Profession gelingend zu gestalten. Wie lassen sich Aufgaben, Verantwortung und Qualifikationen sinnvoll aufeinander abstimmen? Welche Bildungs- und Karrierewege gibt es in der Pflege? Hierzu teilte Professor von Gahlen-Hoops seine Erkenntnisse, die er als Projektleiter im Rahmen des Projekts BAPID („Bildungsarchitektur in Deutschland“) gewonnen hat. Das vom Deutschen Pflegerat (DPR) aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit geförderte Vorhaben hat das Ziel, Bildungswege, Rollenprofile und Kompetenzniveaus in der Pflege systematisch zu kartieren und weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt war die Frage, wie Pflegebildung in Deutschland so gestaltet werden kann, dass sie den Anforderungen einer zunehmend komplexen Versorgung gerecht wird und zugleich berufliche Entwicklung, Durchlässigkeit und internationale Anschlussfähigkeit stärkt. 
 

Wie von Gahlen-Hoops im Fachdialog erläuterte, beschreibt BAPID unterschiedliche Qualifikationsstufen, Rollen und Verantwortungsbereiche der Pflege. So soll sichtbar werden, welche Kompetenzen Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen einbringen – und wie diese im Versorgungsalltag sinnvoll zusammenwirken können. „BAPID soll dabei helfen sichtbar zu machen, welche Kompetenzen Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Qualifikationsstufen einbringen – und wie diese Kompetenzen in der Versorgung besser zusammenwirken können, ohne neue Hierarchien zu schaffen“, so von Gahlen-Hoops. Auf diese Art und Weise könnten Zuständigkeiten im Alltag klarer definiert und Überforderung vermieden werden, weil beruflich Pflegende nur die Aufgaben erhalten, für die sie je nach Kompetenzprofil ausgebildet sind.

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Mehr Wertschätzung für Auszubildende in der Praxis

Insgesamt wurden im Fachdialog viele unterschiedliche Aspekte der pflegerischen Ausbildung und ihrer Herausforderungen diskutiert. Josephine Postzich unterstrich in ihren Erläuterungen, dass Wertschätzung von erfahrenen Kollegen und Kolleginnen sowie Praxisanleitenden extrem wichtig sei für Berufseinsteiger. „Auszubildende und Studierende, die in einen Praxiseinsatz starten, nehmen sofort wahr, ob sie jetzt gerade als Behinderung erlebt werden oder tatsächlich wertgeschätzt werden und dass das Personal trotz all ihrer Zeitmängel und Ressourcenmängel doch Interesse hat daran, diesen Menschen erfolgreich durch die Ausbildung zu begleiten. Gerade der ,so genannte Praxisschock‘ ist ein relevantes Thema, das beachtet werden und ernst genommen werden muss.“ Gleichzeitig betonte sie, wie wichtig der Dialog mit den Auszubildenden sei, damit sie auch verstehen und nachvollziehen können, warum was vor Ort gemacht wird.

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