Die innovative Initiative INGA Pflege bietet Pflege- und Gesundheitsunternehmen ein zuverlässiges und nachhaltig integrationsförderndes Konzept für einen Anpassungslehrgang, der international ausgebildete Pflegefachpersonen bei der Anerkennung ihrer Berufsqualifikation in Deutschland unterstützt. Ebenso bereitet er auf die Berufstätigkeit in Deutschland vor. So können international ausgebildete Pflegefachpersonen ihre Fähigkeiten und Erfahrungen in Deutschland vollständig einbringen. INGA Pflege verbindet eine effiziente Berufsanerkennung, die wirksame Einarbeitung in die aufnehmende Einrichtung und die Stärkung der kommunikativen Handlungskompetenz im Beruf.

Das Konzept wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) von der Forschungs- und Transferstelle „Gesellschaftliche Integration und Migration (GIM)“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) des Saarlands entwickelt. Die Fachinhalte orientieren sich an Mustergutachten der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG). Das DKF (Deutsches Kompetenzzentrum für Internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen) koordiniert die Umsetzung.

INGA Pflege 3.0: Ein Konzept wächst weiter

Die ursprüngliche INGA Pflege-Maßnahme richtete sich in der ersten Pilotphase vor allem an Pflegefachpersonen aus den Philippinen. Der Fokus lag darauf, die Anerkennung der Berufsqualifikation eng mit sprachlicher Förderung und einer guten betrieblichen Aufnahme zu verknüpfen. Das Konzept dieses speziellen Anpassungslehrgangs bewährte sich schnell: In Potsdam, Hamburg und im Vogtlandkreis konnten die Teilnehmenden in 6,5 bis 8 Monaten zur Anerkennung gelangen. Rückmeldungen aus den beteiligten Einrichtungen zeigten, dass die Kombination aus fachlichem Unterricht, integrierter Sprachförderung und enger Begleitung in der Praxis für Orientierung und Sicherheit sorgte – und damit auch für eine Akzeptanz in den Teams.

INGA Pflege 3.0 knüpft an diese Grundlagen an, öffnet das Programm aber für eine breitere Zielgruppe. Neben Pflegefachpersonen von den Philippinen nehmen nun auch Fachkräfte aus weiteren Herkunftsländern teil, und das Curriculum wurde so weiterentwickelt, dass es flexibler auf unterschiedliche Ausgangssituationen angewendet werden kann. Der Anpassungslehrgang bleibt berufsintegriert, verzahnt Theorie, Praxis und Sprache miteinander. Es wurde im Konzept die Möglichkeit geschaffen, die Dauer des Anpassungslehrgangs flexibel zu gestalten, um den individuellen Ausgleichsbedarfen zu Beginn der Maßnahme Rechnung zu tragen. Die Umsetzung wird nun durch eine digitale Lernplattform ergänzt, auf der Materialien für Lehrende, Praxisanleitende und Teilnehmende verfügbar sind. Zugleich unterstützt INGA Pflege 3.0 die Einrichtungen dabei, ihre internen Strukturen im Bereich Integrationsmanagement – etwa im Mentoring, in der Einarbeitung und in der Teamkultur – weiter auszubauen.

Fünf Pilotstandorte – ein gemeinsames Ziel

Für die Erprobung wurden bundesweit fünf Einrichtungen ausgewählt: die Charité in Berlin, die DRK-Schwesternschaft Berlin, die Oberhavel Kliniken in Brandenburg, der Klinikverbund Gesundheit Nord in Bremen und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie repräsentieren unterschiedliche Trägerstrukturen, Versorgungsbereiche und regionale Rahmenbedingungen – und bilden damit ein breites Bild der deutschen Krankenhaus- und Pflegelandschaft ab.

Alle Standorte werden eng begleitet: Aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung werden in regelmäßigen Meetings mit dem DKF bearbeitet. In standortübergreifenden Austauschrunden ist Raum für kollegiale Beratung und Wissenstransfer. Die Standorte erhalten Unterstützung bei der betrieblichen Integration der international ausgebildeten Pflegefachpersonen und bringen zugleich ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Projekts ein. Beim diesjährigen deutschen Pflegetag in Berlin wurde deutlich, dass der Ansatz aus integriertem Fach- und Sprachlernen sehr gut funktioniert. 

Erfahrungen aus den bisherigen INGA Pflege-Pilotierungen

Aus der ersten INGA Pflege-Pilotphase liegen bereits aussagekräftige Zahlen vor, wie Dr. Roland Jopp (Referatsleiter „Fachkräfte Ausland“ im Bundesministerium für Gesundheit) beim Praxisdialog vor Ort auf dem Deutschen Pflegetag berichtete. „Alle Teilnehmenden haben schließlich die Anerkennung bekommen, und das zeigt, dass die strukturelle Verbindung von Fachlernen, Sprache und Praxis ein erfolgreiches Modell ist“, so Dr. Jopp. 

Die Evaluation bestätigt dies eindrucksvoll: So haben bspw.14 Teilnehmende mit Eingangsniveau B1 GER bereits nach 6,5 Monaten die Anerkennung erhalten – ebenso wie 22 Teilnehmende mit B2. Auch das Ergänzungsmodul wurde nur vereinzelt benötigt: 35 Teilnehmende absolvierten die Maßnahme ohne zusätzliche Verlängerung.

„Die begleitende Evaluation bestätigte zudem eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden sowie positive Rückmeldungen zur Unterstützung durch die Einrichtungen. Die befragten Teilnehmenden fühlen sich mit dem Lehrgang sowohl fachlich als auch sprachlich handlungskompetent auf ihre Tätigkeit als Pflegefachperson vorbereitet“, sagten Julia Schmidt und Dr. Stefanie Visel vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. Dies deckt sich mit den Befragungsergebnissen: 97 % der Teilnehmenden empfehlen INGA Pflege weiter, und auch 79 % der Lehrkräfte und Praxisanleitenden sprechen eine Empfehlung aus.

Das konnten auch die ersten Erfahrungen der aktuellen Pilotstandorte bestätigen, etwa vom Klinikverbund Gesundheit Nord in Bremen. „Unsere Sprachlehrkraft fährt an die Standorte und fördert individuell, schaut sich Übergaben und Dokumentationen an. Das kommt sehr gut an, weil dadurch die Praxiseinsätze der neuen internationalen Fachkräfte vor Ort auch sprachlich begleitet werden und sofort an Qualität gewinnen“, so Daniela Wendorff vom Klinikverbund Gesundheit Nord in Bremen.

Was den längerfristigen Verbleib der Fachkräfte über die geförderte Maßnahme hinaus betrifft, gibt es bisher vor allem qualitative Rückmeldungen – beispielsweise vom UKE Hamburg, wo viele Absolventinnen und Absolventen der Maßnahme auch nach der Anerkennung im Haus geblieben sind. 

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