Illustration: Eine Person hält ein Verbotsschild in der linken, ein Megafon in der rechten Hand. Von vorn greift ein Arm nach ihr.

Die #metoo-Debatte hat das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz in den Fokus gerückt. Und auch in der Pflege tritt sexualisierte Gewalt häufiger auf, als vielleicht zunächst gedacht. Wie können Pflege- und Führungskräfte damit umgehen?

Dass Pflegekräfte an ihrem Arbeitsplatz sexuellen Belästigungen ausgesetzt sein können, zeigt unter anderem eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) aus dem Jahr 2021. Dabei kann die sexualisierte Gewalt nicht nur von Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch von Vorgesetzten oder Mitarbeitenden ausgehen. In einem Praxisdialog sprachen Netzwerkmitglieder mit Marlis Lamers, die über Sexualität in der Pflege referiert, zum Thema – und sammelten Tipps für den Umgang mit diesem Problem:

  • Klarheit schaffen: Zunächst sollte jede und jeder für sich selbst reflektieren, wo die eigenen Grenzen liegen – zum Beispiel in Bezug auf die körperliche Nähe zur Patientin oder zum Patienten. Erst dann können Pflegekräfte dem Gegenüber auch vermitteln, was sie dulden und was nicht.
  • Nein sagen: Wenn eine solche Grenze überschritten wird, kommt es darauf an, dies mit Körpersprache und Worten deutlich zu machen. Das fällt gerade jungen Pflegekräften unter Umständen schwer, zum Beispiel, weil sie in Bezug auf ihre Arbeit und ihre Aufgaben generell noch unsicher sind. Deswegen brauchen sie hier eine gute Anleitung und Unterstützung.
  • Rahmenlinien erarbeiten: Im gesamten Team und in der jeweiligen Einrichtung sollte es klare Leitlinien geben, wie der Umgang zwischen allen beteiligten Personengruppen im Pflegealltag aussieht, welche Formen der Nähe angebracht sind und welche nicht. Das schafft Klarheit für alle Seiten. Am besten erarbeiten Führungs- und Pflegekräfte diese Regeln zusammen, um die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen.
  • Zur Seite stehen: Kommt es dennoch zu Grenzüberschreitungen, brauchen Betroffene eine Anlaufstelle, an die sie sich vertrauensvoll wenden können. Vorgesetzte tragen eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeitenden und sollten signalisieren, dass sie ein offenes Ohr haben. Sexualisierte Gewalt kann aber auch von ihnen ausgehen. Daher bietet es sich an, zusätzlich eine betriebsinterne Beschwerdestelle einzurichten oder in jedem Team eine Person zu ernennen und entsprechend auszubilden, die niedrigschwellig unterstützen kann.
  • Ursachen auf den Grund gehen: Um sexualisierte Gewalt von vornherein zu vermeiden, gilt es auch, viel früher anzusetzen. Manche Patientinnen und Patienten oder Bewohnerinnen und Bewohner haben keine Möglichkeit, ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Um das zu ermöglichen, können Pflegedienste und -einrichtungen zum Beispiel auf externe Unterstützung zurückgreifen. Sexualassistentinnen und -assistenten helfen älteren Menschen, ihre sexuellen Wünsche selbstbestimmt auszuleben.

Umgang mit einem Tabuthema

Über sexualisierte Gewalt zu reden, fällt schwer. Wenn das Thema in einer Einrichtung oder einem Pflegedienst aufkommt, ist die Verunsicherung oft groß. Was ist sexualisierte Gewalt? Und was lässt sich dagegen tun? Hier finden Sie eine Sammlung von Informationsangeboten.

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