Illustration mit Team von Pflegekräften mit Table in der Hand und Glühbirne über dem Kopf

Mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz (GPVG) im Jahr 2021 wurde das Modellprogramm gemäß § 8 Absatz 3b SGB XI zur wissenschaftlich gestützten Weiterentwicklung der Personalbemessung in der vollstationären Pflege und Weiterentwicklung der ambulanten Pflege beim GKV-Spitzenverband eingerichtet.

Bisher größte Erhebung zum Status Quo für Deutschland

In einem ersten Schritt wurde dafür eine umfassende Bestandsaufnahme zur ambulanten Pflege durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden im Zeitraum Dezember 2024 bis Juli 2025 eine Literaturanalyse (Rapid Review), eine bundesweite Online-Befragung ambulanter Pflegedienste mit über 1.000 teilnehmenden Führungs- und Leitungskräften, Sekundärdatenanalysen, eine Fokusgruppe und vertiefende Interviews zur systematischen Erfassung der aktuellen Arbeitsorganisationsformen durchgeführt. „Eine so umfassende Abfrage und ausführliche Analyse zum Stand der Arbeitsorganisation in der ambulanten Pflege hat es in der Form für Deutschland bislang noch nicht gegeben“, sagt Dr. Martin Holzhausen-Hinze, Kommissarischer Leiter der Forschungsstelle Pflegeversicherung, Abteilung Pflege beim GKV-Spitzenverband. 

Fazit: Vieles wird richtig gemacht  

Inzwischen liegt der über 200 Seiten umfassende Abschlussbericht des IGES-Instituts vor und steht für alle Interessierten zum Download bereit. Für Holzhausen-Hinze verdeutlicht die Studie vor allem eines: Über alle Unterschiede in einzelnen Bundesländern und Regionen hinweg zeige sich, dass die ambulante Pflege unter den aktuellen Bedingungen auf politischer und rechtlicher Ebene sehr gut in ihrer Arbeitsorganisation aufgestellt ist. „Es wird ganz vieles richtig gemacht. Es gibt viele gute Herangehensweisen und innovative Ideen der Umsetzung. Viele nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Spielräume aus, um für sich die Arbeitsbedingungen zu optimieren – etwa was flexible Arbeitszeiten und selbstorganisierende Teams angeht.“ 

Gleichwohl gebe es natürlich auch große Herausforderungen mit Blick auf die Versorgung im ländlichen Raum, etwa bei der Digitalisierung, so der Bericht. Viele Einrichtungen hätten zudem mit Bürokratie, Fachkräftemangel und ökonomischem Druck zu kämpfen, so die Schlussfolgerung der Autoren. 

Diversität der ambulanten Pflege ist groß – keine Einheitslösung für alle

„Die Bestandsaufnahme zeigt uns, dass wir in der ambulanten Pflege in Deutschland sehr divers aufgestellt sind, und es deshalb kaum die eine Universallösung für alle gibt, um mit aktuellen Herausforderungen der Arbeitsorganisation und Personalplanung umzugehen.“ Eine Übersicht an Good Practice Beispielen, zusammengefasst in einem Kapitel, verdeutlicht einige ausgewählte gute Umsetzungen anhand konkreter Modellprojekte und Initiativen vor Ort – gestaffelt nach Themen wie Vergütungsmodellen, selbstorganisierter Teams oder Digitalisierung.  

Anregungen für die eigene Praxis mitnehmen  

„Ambulante Pflegedienste können anhand der Beispiele Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen“, betont Holzhausen-Hinze. Zudem habe die Studie gezeigt, dass auch die regionale Vernetzung vor Ort eine wichtige Rolle spielt. Einen zentralen Befund hebt er ebenfalls hervor: „Es lohnt sich für ambulante Träger, sich mit dem Konzept der qualifikations- und kompetenzorientierten Aufgabenteilung zu beschäftigen“, so Holzhausen-Hinze. Hier gebe es langfristig große Potenziale, verschiedene Qualifikationslevel in der Pflege – von Hauswirtschaftspersonal bis hin zu akademischen Pflegefachpersonen – entsprechend ihrer Kompetenzen gezielt einzusetzen. Zudem sollten Einrichtungen prüfen, inwiefern Ansätze zu einer größeren Selbstbestimmung der Fachkräfte genutzt werden können. „Wer einen eigenen Gestaltungsspielraum bei der eigenen Arbeit hat, ist nachgewiesenermaßen zufriedener bei der Arbeit“, sagt Holzhausen-Hinze. Als Beitrag zur Sicherstellung einer flächendeckend guten pflegerischen Versorgung auch in den kommenden Jahren sei es wichtig, die Attraktivität des Pflegeberufs zu stärken.

Dienstpläne Ambulanter Pflegedienst